Allgemeine Zoologie.
b) Geschlechtliche Fortpflanzung. Amphigonie.
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Die geschlechtliche Fortpflanzung setzt gewöhnlich zwei Tiere, einmännliches und ein weibliches, voraus; die Fortpflanzungszellen des einen,die Eier, müssen von den Fortpflanzungszellen des anderen, den Sperma-tozoon, befruchtet werden und erhalten dadurch die Fälligkeit, sich zueinem neuen Organismus zu entwickeln. Da es nun hermaphrodite Tieregibt, welche Eier und Spermatozoon gleichzeitig erzeugen, und da fürviele derselben wenigstens die Möglichkeit der Selbstbefruchtung sichererwiesen ist, so ist es klar, daß der Schwerpunkt bei der Definition dergeschlechtlichen Fortpflanzung nicht auf die Individuen, sondern auf derenGeschlechtsprodukte gelegt werden muß. Das Wesen der geschlecht-lichen Fortpflanzung würde demnach in der Vereinigung dermännlichen und weiblichen Geschlechtszellen zu suchen sein.
Diese Erklärung paßt für die weitaus überwiegende Mehrzahl derFälle, namentlich für alle die Fälle, von denen der Bogriff „geschlecht-liche Fortpflanzung" abgeleitet wurde. Im Laufe der letzten 20 Jahreist jedoch in überzeugender Weise bewiesen worden, daß zwei Fort-pflanzungsweisen, welche man früher zur Monogonie rechnete, die Par-thenogenese und die Pädogenese, als besondere Modifikationen derParthenogegeschlechtlichen Fortpflanzung angesehen werden müssen, obwohl sie den^genesis?oben aufgestellten Bedingungen nicht vollkommen genügen. In beidenFällen entwickeln sich die Eier, ohne daß eine Befruchtung durchSamen vorausgegangen wäre, aus eigenem, innerem Antriebe. Beider Pädogenese kommt noch das Besondere hinzu, daß die Fortpflanzungsich an Tieren vollzieht, welche das Ende der normalen Entwicklung nichterreicht haben: es pflanzen sich z. B. die Larven gewisser Fliegen durchEier fort, ohne sich verpuppt zu haben und zu Fliegen geworden zusein. Pädogenese ist somit die Parthenogenese eines jugendlichenOrganismus.
Zwischen parthenogenetischen und befruchtungsbedürftigen Eiernkennen wir keine prinzipiellen Unterschiede. Dagegen ist ihre Gleich-wertigkeit in einzelnen Fällen in völlig sicherer Weise bewiesen, so beiden Bienen, bei denen der Entscheid, ob die Eizellen von der Königinmit Samenfäden versehen werden oder nicht, im Moment der Eiablageerst getroffen wird, wovon es weiter abhängt, ob sie weibliche (befruchteteEier) oder männliche Tiere (unbefruchtete Eier) liefern werden. Partheno-genesis ist daher nicht eine ungeschlechtliche Fortpflanzung, welche diegeschlechtliche vorbereitet, sondern vielmehr eine Fortpflanzung, welcheaus der geschlechtlichen abgeleitet werden muß; sie ist eine geschlecht-liche Fortpflanzung, bei welcher es zu einer Rückbildung derBefruchtung gekommen ist. Es wäre daher den natürlichen Ver-hältnissen viel entsprechender, wenn man nicht geschlechtliche und un-geschlechtliche Fortpflanzung einander gegenüber stellen wollte, sondernFortpflanzung durch Geschlechtszellen und vegetative oderWachstumsfortpflanzung (Teilung, Knospung).
Die Unterschiede der Geschlechtszellen von den ungeschlechtlichenFortpflanzungskörpern, den Teilstücken und Knospen, ergeben sich ausihren Beziehungen zu den Lebensprozessen des Tieres. Die Zellen einerKnospe haben vor Eintritt der Fortpflanzung an den Lebensprozessendes Tieres Anteil gehabt, sie waren functionierende oder „somatische"Zellen. Wenn bei unserem Süßwasscrpolyp eine Knospe entsteht, so istdas Zellenmaterial, welches zur Verwendung kommt, bisher vom Mutter-