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Lehrbuch der Zoologie
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Geschichte der Descendenztheorie.

Artbegriffes, indem er sagte: Es gibt für die Pflanzen kein anderessicheres Merkmal der Artzusammengehörigkeit als der Ursprung aus demSamen spezitisch oder individuell gleicher Pflanzen; d.h. für alle Organismengeneralisiert: Zu einer und derselben Art gehören die Individuen, welchevon gleichen Voreltern stammen.

Mit Rays Worten war ein völlig unkontrollierbares Element in dieDefinition des Artbegriffes hineingetragen worden, da gewöhnlich keinSystematiker etwas darüber weiß oder überhaupt etwas darüber wissenkann, ob. die Repräsentanten einer von ihm aufgestellten Art von gleich-gearteten Eltern abstammen. So war es denn natürlich, daß der Art-begriff bald ein theologisches Gewand erhielt, indem er durch Anlehnenan religiöse Vorstellungen fester gestützt wurde. Linne sagte:Totsunt species, quot diversas formas ab initio produxit Infinitum Ens";er baute damit den Artbegriff auf den Traditionen der MosaischenSchöpfungsgeschichte auf, ein Verfahren, welches naturwissenschaftlichganz unstatthaft ist, da es einen der grundlegenden Begriffe aus trans-cendentalen Anschauungen, nicht aus dem Bereiche der naturwissen-schaftlichen Erfahrung ableitet. Auch erwies sich die Linne sehe De-finition sofort als unhaltbar, sowie die Paläontologie anfing, das umfang-reiche, in Versteinerungen niedergelegte Material ausgestorbener Tierezugängig zu machen. Mit abenteuerlichen Phantasien hatte man langeZeit die unbequem werdenden Versteinerungen außerhalb des Bereichswissenschaftlicher Forschung gehalten: es seien Spiele der Natur, hießes, oder Reste der Sintflut, oder Einflüsse der Sterne auf die Erde, oderProdukte einer Aura seminalis, einer befruchtenden Luft, die, wenn sieorganische Körper befalle, zur Bildung von Tieren und Pflanzen führe,wenn sie aber auf unorganisches Material sich verirre, Petrefakten er-zeuge. Derartigen wüsten, schon von Lionardo da Vinci, Hooke.Buffon und anderen vorurteilsfreien Männern bekämpften Spekulationenwurde durch die Begründung der wissenschaftlichen Paläontologie durchCuvier endgültig ein Ziel gesetzt. Cuvier wies in überzeugender Weisenach, daß die Versteinerungen Reste vorweltlicher Tiere seien. Wie derAufbau der Erdkruste aus verschiedenen übereinander lagernden Schichtendie Unterscheidung verschiedener Perioden der Erdgeschichte ermögliche,so lehre die Paläontologie verschiedene Perioden in der pflanzlichen undtierischen Lebewelt unseres Erdballs kennen. Jede Erdperiode sei durcheine besondere, ihr eigentümliche Tierwelt charakterisiert; diese Tierweltsei um so mehr von der jetzt lebenden unterschieden, je älter die Erd-periode sei, der sie angehöre. Diese Verallgemeinerungen führten Cuvierzu seiner Lehre von den Erdrevolutionen: daß das Ende jeder Erdperiodedurch eine gewaltige, die Lebewesen vernichtende Katastrophe herbeige-führt worden sei. Zugleich bestritt Cuvier als ein Anhänger der Lehrevon der Konstanz der Arten den Zusammenhang der jetzt lebenden Tier-arten mit den ausgestorbenen Formen.

Cuviers Lehre von den Erdrevolutionen gab keine naturwissen-schaftliche Erklärung der Entstehung der aufeinander folgenden deneinzelnen Erdperioden zukommenden Tierwelten. Eine solche Erklärungist nur möglich, wenn man annimmt, daß die jüngere Tierwelt sich ausder älteren entwickelt hat. Das setzt aber voraus, daß man die Lehrevon der Artkonstanz aufgibt und durch die Lehre von der Umbildungder Formen, die Descendenztheorie, ersetzt.Vorläufer Schon zu Zeiten Cuviers herrschte eine kräftige descendenz-theore-

»rwins. j.j gc j ie Strömung; sie fand Ausdruck in England in den Schriften von