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Lehrbuch der Zoologie
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Geschichte der Descendenztheorie.

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Fast um dieselbe Zeit löste Leuckart den Rest der Radialen inzwei Stämme von sehr verschiedener Organisationshöhe auf: die niederenFormen, bei denen noch keine besondere Leibeshöhle vorhanden ist unddas Innere des Körpers von nur einem der Verdauung dienenden Hohl-raumsysteme, dem Darme, eingenommen wird, nannte er Cölenteraten(im wesentlichen die Zoophyten der älteren Zoologen): für den Rest, beidenen Dann und Leibeshöhle als zwei getrennte Hohlräume nebenein-ander vorkommen, behielt er den Namen Echinodermen bei. So würdensich im ganzen sieben Typen ergeben: Protozoen, Cölenteraten, Echino-dermen, Würmer, Arthropoden, Mollusken, Vertebraten, eine Einteilung,welche der Hauptsache nach in diesem Lehrbuch beibehalten wurde, wennsie auch noch nicht vollkommen den Ansprüchen entspricht, welche manan ein natürliches System zu stellen berechtigt ist.

Geschichte der Descendenztheorie.

Ehe wir die geschichtliche Einleitung beenden, müssen wir nochdie historische Entwicklung einer Frage ins Auge fassen, welche beioberflächlicher Betrachtung in ihrer Bedeutung leicht unterschätzt wird,welche aber aus kleinen Anfängen zu einem die zoologische Forschungvollkommen beherrschenden Problem herangewachsen ist und mit ihren Kon-sequenzen nicht nur die Zoologen, sondern alle Kreise von allgemeineremwissenschaftlichen Interesse beschäftigt hat. Es ist die Frage nach demlogischen Weite der systematischen Begriffe Art, Gattung, Familie etc.

In der Natur finden wir nur Einzeltiere vor; wie kommt es nun.daß man dieselben in größere und kleinere Gruppen zusammenfaßt? Sinddie einzelnen Auen, (bittungen und die übrigen Abteilungen, welche derSystematiker unterscheidet, unveränderliche Größen, gleichsam Grundideender Natur oder, wenn man will, Schöpfungsgedanken, welche in denEinzelformen zum Ausdruck kommen? Oder sind es Abstraktionen, dieder Mensch bei der Beobachtung bildet, um die Natur seinem Begriffs-vermögen verständlich zu machen? Sind die Art- und Gattungsnamenmir durch das Wesen unseres Begriffsvermögens notwendig gewordeneAusdrücke für die Abstufungen der Verwandtschaftskreise in der Natur,welche an und für sich nichts Unabänderliches sind und daher auch einemallmählichen Wandel unterliegen können? In die Praxis übersetzt, lautetdas Problem: sind die Arten' konstant oder veränderlich? Was für dieArten gilt, muß notwendigerweise für alle übrigen Kategorien des SystemsGeltung besitzen, da sie sämtlich in letzter Instanz auf dem Artbegriffeberuhen.

Einer der ersten, welcher über den Artbegriff nachgedacht hat, istder Vorläufer Linnens, dev Engländer John Ray. Bei dem Versuche,für das. was man unter einer Art versteht, eine bestimmte Definition zugeben, stieß er auf Schwierigkeiten. In der systematischen Praxis rechnet

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man Tiere, welche im ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^einander abweichen, zu derselben Art. Dieses praktische Verfahren läßtsich theoretisch zur Definition des Artbegriffes nicht verwerten; denn esgibt Männchen und Weibchen innerhalb derselben Art, welche sich ana-tomisch mehr voneinander unterscheiden als die Repräsentanten verschie-dener Arten. So gelangte John Ray zu der genetischen Definition des