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Lehrbuch der Zoologie
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Reform des Systems.

miert wurde. Durch die Zellenlehre wurde für alle Lebewesen, für hochund niedrig organisierte Pflanzen und Tiere, ein einheitliches Organisations-prinzip gefunden und zugleich das umfangreiche Gebiet der Histologieoder Gewebelehre einer wissenschaftlichen Behandlung zugängig gemacht.Von der allergrößten Bedeutung aber wurde die Zellentheorie für dieEntwicklungsphysiologie. Denn erst durch den Nachweis, daß Ei, Sper-matozoon und die Furchungskugeln kernhaltige Zellen seien, wurde einesichere Basis gewonnen, um über die Probleme der Befruchtung. Ver-erbung und embryonalen Differenzierung theoretische Vorstellungen zuentwickeln und dieselben experimentell zu prüfen.

Reform des Systems.

v. Siebold

Man kann sagen, daß mit der Begründung und systematischen Ver-wertung der vergleichenden Anatomie und Entwicklungsgeschichte undmit der Entwicklung der Zellentheorie und der Gewebelehre die Funda-mente der heutigen Zoologie gelegt worden sind. Die seitdem verflosseneZeit hat vornehmlich dem Ausbau des Gebäudes gedient. UngeheureFortschritte wurden auf dem Gebiete der Wirbeltieranatomie durch dieklassischen Untersuchungen von Owen, Job. Müller, Rathke, Gegen-bäur u. a. erzielt; unsere Vorstellungen von Organisation wurden voll-kommen reformiert durch die Arbeiten Dujardins, Max Schultzes,Haeckels u. a., welche die Einzelligkeit der niedersten Tiere nachwiesen.Die Keimblättertheorie wurde weiter ausgebaut von Remak. Follikel- undvon Kowalewski, Haeckel, Huxley auch auf die wirbellosen Tiere über-tragen. Es würde den Rahmen dieses kurzen historischen Abrisses über-schreiten, wenn wir noch weiter hineinziehen wollten, was auf dem Gebieteder einzelnen Stämme des Tierreichs geleistet worden ist: wir müssenuns daher begnügen, die wichtigsten Reformen zu erwähnen, welchedas Cu vier sehe System unter dem Einflüsse wachsender Erkenntnis er-fahren hat.

Von den vier Typen Cuviers war der Stamm der Radiatcn un-zweifelhaft derjenige, dessen Vertreter dem französischen Gelehrten, mitAusnahme der Medusen, am wenigsten bekannt waren; daher war erauch am wenigsten naturgemäß zusammengefaßt, indem er außer denradial-symmetrischen Cölcnteratcn und Echinodermcu Formen enthielt,welche, wie die Würmer, bilateral-symmetrisch oder, wie viele Infusorien,ganz asymmetrisch beschaffen sind. So kam es, daß die meisten Reformenhier ihre Angriffspunkte gefunden haben.

C. Tb. v. Siebold (1848) ist der Urheber der ersten wichtigenReform gewesen. Er beschränkte den Typus der Radiatcn oder, wieer ihn bezeichnete, der Zoopiiytcn, auf die Tiere von radial-symmetrischemBau [Echinodermen und Pflanzentiere), trennte dagegen alle übrigenab; und zwar bildete er aus den niedriger stehenden einzelligen Organis-men den Stamm der Urtiere oder Protozoen; die höher organisiertenTiere faßte er als Vermes" oder ,, Würmer" zusammen. Gleichzeitigschloß er einen Teil der Articulaten, die Anneliden, dem Würmer-stamme an und führte für die übrigen Articulaten, die Krebse, Tausend-füßler, Spinnen und Insecten, den Namen Arthropoden ein.