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Lehrbuch der Zoologie
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Entwicklang der Morphologie.

der viel zur Entwicklung der vergleichenden Anatomie beigetragen hat.Zunächst wurden Tieranatomien nur gemacht, um die Ursachen derGalenschen Irrtümer aufzudecken, später aber auch aus Lust und Liebezur Sache. Es ist begreiflich, daß in erster Linie die Wirbeltiere Be-rücksichtigung fanden, da sie dem Menschen im Bau am nächsten stehenund am meisten zum Vergleich herausfordern. So erschienen noch imgleichen Jahrhundert mit Vesals menschlicher Anatomie die Abbildungenvon Wirbeltierskeletten durch den Nürnberger Arzt Coiter, die zooto-mischen Schriften von Fabricius ab Aquapendente etc. Später wandtesich' aber auch das Interesse den Insecten und Mollusken, ja selbst denim Meere wohnenden Echinodermen, den Cölenteraten und Protozoenzu. Hier verdienen vor allem drei Männer genannt zu werden, welcheAnfänge aeram Ende des 17. Jahrhunderts lebten, der Italiener Marcello Malpighizootomie. um j ^ Holländer Swammerdam und Leeuwenhoek. Des ersterenDisscrtatio de bombyce" war bahnbrechend für die Insectenanatomie.indem sie durch die Entdeckung der Yasa Malpighii. des Herzens, desNervensystems, der Tracheen etc. eine außerordentliche Bereicherungunseres Wissens herbeiführte. Von Swammerdams Schriften ist vorallem dieBibel der Natur" hervorzuheben, ein Werk, dem sich keinanderes der damaligen Zeit zur Seite setzen läßt, indem es Aufschlüssevon einer bewundernswerten Genauigkeit über den Bau der Bienen,Eintagsfliegen, Schnecken etc. enthält. Leeuwenhoek endlich ist derglücklichste Entdecker gewesen auf dem Gebiete der von ihm in dieWissenschaft eingeführten mikroskopischen Forschung; vor allem lehrteer neben vielerlei anderem auch die kleinen Bewohner des Süßwassers.dieInfusionstierchen", kennen, deren genauere Lmtersuchung zu einemvollständigen Umschwung in unseren Auffassungen vom Wesen der tierischenOrganisation geführt hat.

Bas große Verdienst der genannten Männer besteht vornehmlichdarin, daß sie gründlich mit dem Staub der Büchergelehrsamkeit auf-räumten und, indem sie sich nur auf ihre eigenen. Augen und ihr eigenesUrteil verließen, den Menschen das gänzlich verloren gegangene Gutselbständiger und unbefangener Beobachtung wiedergewannen. Sie trugendas Interesse für die Naturbeobachtung in die weitesten Kreise, so daßim 18. Jahrhundert die Zahl selbständiger naturwissenschaftlicher Schrifteneine ganz außerordentliche Vermehrung erfuhr. Mit Bau und Entwick-lung der Insecten befaßte sich in Schweden de Geer, in FrankreichReaumur, in Belgien Lyonet, in Deutschland Rösel von Rosenhof;letzterer schrieb zugleich eine noch jetzt lesenswerte Monographie dereinheimischen Batrachier. Namentlich aber bildete die Untersuchungder Infusorien und anderer kleiner Süßwasserbewohner eine Lieblings-beschäftigung für Gelehrte und Laien, wie Wrisberg, v. Gleichen-Eußwurm, Schäffer, Eichhorn, 0. F. Müller. In den meistenSchriften tritt der religiöse Charakter der Naturbetrachtung außerordent-lich in den Vordergrund, wie denn zahlreiche Geistliche, Eichhorn inDanzig, Goeze in Quedlinburg, Schäffer in Regensburg, sich einenehrenvollen Platz in der Reihe zoologischer Schriftsteller errungen haben.ein Zeichen, daß es zu einer Aussöhnung zwischen Christentum undNaturbeobachtung gekommen war. Um einen Maßstab für die im Ver-hältnis zu früheren Jahrhunderten gemachten Fortschritte zu gewinnen,bedarf es nur eines Vergleichs der Abbildungen. Jeder Laie wird denUnterschied zwischen den dürftigen Zeichnungen eines Aldrovandi und