Rheokristalle: Bewegung und Fühlung.
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mige Rheokristalle in zwei verschiedenen Modifikationen auf, diesich ineinander verwandeln können (Fig. 17).
Fühlung (Aesthesis). Die unbefangene Vergleichung der ver-schiedenen Zustände der Rheokristalle und der Veränderungen,welche sie durch ihre Lebenstätigkeit eingehen — besonders aberihre kritische Vergleichung mit den entsprechenden Lebensäuße-rungen der niedersten Organismen (Probionten und Protisten) führtuns zu der Überzeugung, daß die „lebendige Substanz" der ersterenebenso mit unbewußter Empfindung begabt ist, wie das Plasmader letzteren. Insbesondere fällt hier die Übereinstimmung mitden Radiolarien auf, deren Psychom wir nachstehend näher be-trachten wollen.
Myelinformen. Zu den auffallend-sten , ,Lebenserscheinungen'' der Rheo-kristalle gehören die andauerndenspontanen Bewegungen, welche manan den sogenannten Myelinformenbeobachtet. Das merkwürdige „Mye-lin" wurde 1854 von Virchow imNervenmark des Menschen entdeckt;später ergab sich, daß verschiedeneKohlenstoffverbindungen von ähn-licher physikalischer und kristallini-scher Beschaffenheit im Plasma weitverbreitet vorkommen, und viel-leicht im organischen Lebensprozeßeine große Rolle spielen. Dieselben
sind teils stickstofflos (Fettsäuren und Cholesterine), teils stick-stoffhaltig (Lezithin und Protagon). Am Ammonium-Oleat wur-den die lebhaft sich bewegenden Myelinformen schon vor drei-ßig Jahren von Lehmann beobachtet (Fig. 18—-22). Diese „leben-den" Kristalle kann man sehr einfach künstlich erzeugen, wennman einen Tropfen käuflicher Ölsäure in wässeriges Ammoniakbringt. Aber auch Verbindungen von Alkalien mit Fettsäuren,sowie verschiedene Schmierseifen (die namentlich von Otto Bütschliund Georg Quincke in Heidelberg studiert wurden) zeigen die-selben Erscheinungen; sie wurden bald mehr als rein physikalischeund chemische gedeutet, bald als eigentlich physiologische, von„Lebenskräften" abhängig, die nach unserer jetzigen monistischenAuffassung von ersteren gar nicht prinzipiell verschieden sind.
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Fig. 17. Molethynen desCholesteril-Kaprinats.
„Wurmförmige" Kheokristallein zwei Modifikationen.