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Zweites Kapitel:
Probiontik (= Zytodenkunde).
Aufgabe der Probiontik. Die tiefe Kluft, welche nach derälteren, auch heute noch sehr verbreiteten Naturanschauung dielebendigen Körper von den leblosen, die Organismen von denAnorganen trennt, ist durch die wichtigen Entdeckungen desJahres 1904 tatsächlich ausgefüllt. Einerseits schlagen die Rheo-kristalle, die „lebenden flüssigen Kristalle", anderseits die Pro-bionten, als Zytoden, als einfache „kernlose Zellen", die unmittel-bare reale Verbindungsbrücke zwischen den beiden sogenannten„Reichen" der leblosen und der lebendigen Natur. Demgemäßverdienen von jetzt an diese Probionten, die bisher von der Theo-rie sehr vernachlässigten „einfachsten Lebensformen", daseingehendste Studium. Denn die unbefangene kritische Verglei-chung derselben einerseits mit den Rheokristallen, anderseits mitden echten kernhaltigen Zellen, öffnet uns nicht allein die ver-schlossene Pforte zum einheitlichen physikalischen Verständnisder Gesamtnatur; sondern sie löst zugleich das große Rätsel vom„Lebenswunder", von der natürlichen Entstehung der ein-fachsten Organismen aus anorganischer Substanz, das vielum-strittene Problem der Urzeugung (Archigonie). Dem entspre-chend erscheint es nützlich, den besonderen Zweig der Natur-kunde, der die tiefere Erkenntnis dieser Probionten sich zur Auf-gabe macht, als Probiontik hervorzuheben und in die Mitte zwi-schen Anorgik und Biologie zu stellen.
Probionten („Präzellare Organismen", Vorstufen des or-ganischen Lebens; „Lebenswunder", 1904, Kap. 9, S. 217). Derwesentlichste Charakter dieser einfachsten und primitivsten „Or-ganismen", die heute noch auf unserem Erdball leben, bestehtdarin, daß sie noch keine eigentliche Organisation besitzen; ihrlebendiger Körper zeigt noch keine Zusammensetzung aus getrenn-ten Organen, aus morphologisch selbständigen Körperteilen, dieverschiedene physiologische Bedeutung haben. Der ganze Orga-