Druckschrift 
Lehrbuch der Pharmacognosie des Pflanzen- und Thierreichs : im Anschluß an die 2.Ausg. der Pharmacopoea Germanica für Studirende der Pharmacie, Aphotheker und Medicinalbeamte
Entstehung
Seite
244
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

244

B. Drogen aus der Abtheilung der Gefässpflanzen.

u. S. Id; Btl. a. Tr. 274; Ha, VI. 25; N. v. E. 58; PI. 32, ist wahr-scheinlich in Vorderasien, vielleicht auch in Griechenland und Italienursprünglich einheimisch. Jedenfalls gelangte sie sehr frühzeitig nachAfrika und Europa und wurde in den Mittelmeerländern schon in alterZeit cultivirt. Heutzutage betreibt den Anbau des Crocus, soweit der-selbe für unseren Handel in Betracht kommt, in grösster AusdehnungSpanien im südlichen Theil von Neu-Castilien, im nördlichen von Murcia,im Süden von Valencia bei Alicante und auf Majorka in der Umgebungvon Palma. Beschränkter ist die Safranzucht in Frankreich, wo sienordöstlich von Orleans im Arrondissement Pithiviers en Gätinois sehrsorgfältig gepflegt wird. In Deutschland wurde in früheren Jahrhun-derten vielfach Safran gebaut. Jetzt hat hier dieser Industriezweigganz aufgehört. In Oesterreich, wo das Gleiche der Fall war, ist derSafranbau jetzt auch nur von sehr geringer Bedeutung. Deutsche Aus-wanderer haben neuerdings die Cultur des Safrans in Pennsylvanienunternommen, ohne bis jetzt nennenswerthe Ernten zu erzielen.

Der Anbau des Safrans erfordert grosse Aufmerksamkeit und TJeber-wachung. Die Einsammlung der bald verwelkenden Blüthen muss mitgrosser Sorgfalt innerhalb weniger Wochen geschehen. Aus den frischgesammelten Blüthen werden die Narben herausgebrochen, in lockerenHaufen auf Sieben über schwachem Eeuer vorsichtig kurze Zeit ge-trocknet und dann verpackt. Nach Dumeshil's Berechnung sind bis40 000 Blüthen erforderlich zu 500 g getrocknetem Safran.

Die R. Ph. verlangt die gesättigt braunrothen Narben mit derBedingung, dass denselben die blassgelben Griffelenden nur in geringerMenge beigemischt sind.

Aussehen: Die locker auf- und ineinander gehäuften einzelnen undzum Theil noch mit dem oberen Griffelende vereinigten, braunrothenNarben der Safranblüthe stellen die Handelswaare dar. Der faden-förmige, lange Griffel ist unten farblos, oben gelb und trägt drei Nar-ben, welche 3 cm lang, röhrenförmig eingerollt, nach oben allmählicherweitert und zugleich etwas zusammengedrückt, an der Innenseite längs-gespalten und am oberen, 3—4 mm breiten Bande unregelmässig ge-kerbt erscheinen, an der Basis gelblich und weiterhin braunroth gefärbtsind. Sie fühlen sich fettig an, riechen eigenthümlich stark undschmecken gewürzhaft bitter.

Anatomie: Die Narben sind von einer Epidermis bekleidet, derenaxil gestreckte Zellen mit vorstehenden Papillen versehen sind. Zwischenden beiden Oberhäuten liegt ein Parenchym aus dünnwandigen Prosen-chymzellen, welche braunrothen Farbstoff und Oeltropfen enthalten.Dies Parenchym wird von Grefässsträngen durchzogen, welche sich nach