Alro|iinuni sulfuricum.
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Man verfährt hierbei wie folgt:
1. Man erhitzt kleine Quantitäten der gereinigten freien Hyoscyaminbase in einemstarkwandigen Glaskolben im Kochsalzbade während 5 Stunden auf 109 bis 110° 0.Die Base schmilzt zu einem klaren Sirup, der beim Erkalten wieder zu einer krystal-linischen Masse erstarrt. Diese Masse wird mit wenig Alkohol aufgenommen, letzterervordunstet und derRiickstand mitAether angerührt. Das in Aether schwerlösliche Alkaloidist reines Atropin.
2. Man löst 10 Th. Hyoscyaminbase in 100 Th. Alkohol, fügt zu dieser Lösung1 Th. Natronlauge und lässt bei gewöhnlicher Temperatur stehen. Nach ca. 2 Stundenist das Polarisationsvermögen der Lösung = 0 geworden, d. h. das Hyoscyamin istvöllig in Atropin verwandelt. Man isolirt das letztere durch Abdampfen des Alkoholshei möglichst niederer Temperatur und Auswaschen des Rückstandes mit Wasser.
Interessante Beziehungen zwischen Cocain und Atropin wurden in der Neuzeitdurch A. Einhorn festgestellt. Das aus Ecgonin, dem basischen Spaltungsproduktedes Cocains, durch Wasserabspaltung erhaltene Anhydroeegonin liefert beim Erhitzenauf 280° C. unter Kohlensäureabspaltung Tropidin: 1 )
C r , H, (CH = CH COOIl),NCH 3
Anhydroeegonin
= C,,H 7 (CH = CHo)NCH, + C0 2
Tropidin.
Tropidin entsteht nun auch durch Wasserabspaltung aus Tropin beim Erhitzendesselben mit concentrirtor Salzsäure und Essigsäure auf iS0° und kann, wie Laden-bürg zeigte (Ber. d. d. ehem. Gesellsoh. XXIII, 1780), durch Bromwasserstoffanlagernngund Behandeln mit Silberoxyd in Tropin wieder übergeführt werden.
Es ist somit durch dieses Ergebniss die Ueberführung von Cocain in Atropinermöglicht.
Das Tropin ist physiologisch wenig wirksam, in hohem Grade sind dagegenwirksam die ätherartigen Verbindungen desselben mit der Tropasäure: Atropin undHyoscyamin. Aetherificirt man das Tropin mit anderen aromatischen Säuren, so gelangtman zu einer Reihe von Tropinderivatcn, welche Tropeine genannt wurden (Laden-burg). Diese Tropeino verhalten sich physiologisch dem Atropin analog. DieUnterschiede in ihrer Wirkung sind im wesentlichen quantitativer Art.
Es wurden dargestellt: das Paraoxybenzoy llropoin, C 15 H 19 N0 3 , das Ortho-ox y benzoyltropein (Salicyltropeiu), C 15 H I0 N0 3 , das Benz oy Itrop ein, C 15 H, 9 N0 2 ,das Cinnamyltropein, C 17 H 21 N0 2 , u.a.m.
Das Oxytoluyltropoin oder Homatropin, C l6 H S iN0 3 , welches durch Er-wärmen einer wässerigen Lösung von mandelsaurem Tropin mit Salzsäure dargestelltwird, hat in der Augenheilkunde eine bestimmte Verwendung gefunden.
Von bemerkenswerthem theoretischen Interesse sind die neuerdings von A. Laden-burg und Ch. Hundt entdeckten optisch aktiven Atropine. Dieselben wurdenin der Weise gewonnen, dass zunächst die Rechts- und die Links-Tropasäure dargestelltwurden, aus welchen durch Aethcrilieirung mit Tropin das Rechts- und das Links-atropin erhalten werden konnten. Man erhält die beiden optisch aktiven Tropasäuren,indem man tropasaures Chinin fraktionirt krystallisirt, wodurch dasselbe in die ent-sprechenden Salze der rechts- und linksdrehenden Modifikation der Tropasäure zer-legt wurde.
Chemisches Verhalten des Atropins. Das reine Atropin krystallisirtin schweren, spiessigen Nadeln vom Schmelzpunkt 115,5 u . Es ist geruchlos,von 'widerlich bitterem, scharfem anhaltenden Geschmack. Es ist löslich in300 Th. kaltem,' 60 Th. heissetn Wasser, sehr leicht löslich in Weingeist, Chloro-form, Toluol, Amylalkohol, weniger leicht löslich in Aether, kaum löslich inPetroläther. Wenn man es über 140° C. erhitzt, so verflüchtigt es sich unterAufblähen und Ausstossen eigenthümlich riechender weisser Dämpfe. Bei vor-sichtiger Erhitzung lässt es sich sublimiren, beim Kochen seiner wässerigen Lö-sung verflüchtigt sich ein geringer Theil mit den Wasserdämpfen. Die Lösungdes Atropins reagirt alkalisch. Es ist optisch inaktiv. Das Atropin ist eineeinsäurige Base, seine Salze krystallisiren schwierig und sind meistens in
(A. Einhorn, Ber. d. d. ehem. Gosellsch. XXIII, 1338).