Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 3 (1886) Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Seite
503
Einzelbild herunterladen
 

Anmerkungen.

503

186) S. 260. Es besteht daher nur das officiellc Beschluß-Protocoll, ans welchemwir nur im allgemeinen die Aufeinanderfolge der Redner, den Wortlaut der gestellten undunterstützten Anträge, endlich die Abstimmung erfahren. Unter den Anträgen war einerDylewski's: der Reichstag möge die Zustimmung zur Auslieferung Kaim's verweigern,dagegen die Untersuchung gegen denselben auf freiem Fuße von einer Kremsierer Behördeführen lassen; dann einer Goldmark's und ein ähnlicher Hauschild's die für den Fall derUntersuchung das öffentliche Verfahren mit Geschwornen verlangten. Zum Schlüße legtendie meisten Abgeordneten der Rechten und des Centrums Verwahrung wegen einesFormfehlers ein, indem Wiser statt des Berichterstatters das letzte Wort ergriffen habe.Der mit 16 l Unterschriften versehene und vom 19. datirte Protest wurde in der Sitzungvom 20. verlesen; gegen denselben meldeten in derselben Sitzung Wiser und Brestel unterBeitritt von Goldmark Prato Löhner Schnselka Zimmer Stamm Fischhof Kudlich Mann-heimer Ziemialkowski Umlauft Borrosch Violand Hubicki Pcitler Bacano Szübel Horn-bostel Dylewski Pillersdorff Schmitt Füster Schcrzer Sierakowski und andere, zusammen77 eine „Gegenerklärung" an, deren Wortlaut am 21. zur Verlesung kam. Den Zwischen-fall mit Klandy berichtet der V-Correspoudent „Kremsier 15. Februar" der „Presse"Nr. 42 vom 18.

187) S. 260. In der Sitzung vom 20. Februar Sten. Aufnahme V S. 149 . . .Ich möchte noch mit ein paar Worten auf die Sitzung vom 15. znrückkommen. Obwohlich mir nämlich als Historiker zum Gesetz mache zu demjenigen was ich zu berichtenhabe nicht vorgreifend spätere oder gar neueste Erscheinungen vergleichend herbeizuziehcn,wird es mir doch vielleicht hier in der Anmerkung nicht verübelt werden, wenn ich derehren- und gewissenhaftesten Strenge, mit welcher Anno Dazumal das ordnungs-mäßig beschlossene „Mit Ausschluß der Oeffentlichkeit" eingehalten wurde, die frivoleUebung heutigen Tages entgcgenhalte die keine Scheu trägt, zu als „geheim" bezeich-neten Verhandlungen „ausnahmsweise" Berichterstatter zuzulassen die in der indiscretestenWeise, wie wir ja bei dem abscheulichen Processe Graef gesehen, schon am nächsten Tagedas Publicum mit stenographischer Genauigkeit von den scandalcusesten Aeußcrungcn undVorgängen unterrichten. Das wenige was man von einzelnen Zwischenfällen der geheimenSitzung vom 15. Februar 1849 erfahren, ist gelegenheitlichen Mittheilungen einzelnerAbgeordneten entnommen, und derlei ist wohl nie ganz zu vermeide».

188) S. 260. Der O Wiener Correspondent der A. A. Ztg. Nr. 53 vom 22. Fe-bruar S. 804 ließ geradezu merken als ob die Verfolgung Kaim's nur ein Racheact fürdie Niederlage Schwarzenberg's bei dessen Candidatur in Krumau gewesen wäre.

189) S. 261. Die „Prager Ztg." war es die an die „Sl. L." jene Frage richtete,während die „Deutsche Ztg." in einem heftigen Gegen-Artikcl es für „unverantwortlich"hielt, der geplanten Vertrauens-Adresse durch eine solche Hinweisung störend in den Wegtreten zu wollen. S. auch „Lloyd" Nr. 95 vom 24. Februar Abendbl. Correspondenzaus Prag vom 22. Zwei sehr scharfe Artikel brachte der „Oesterr. Corr." (4) Wien 17.und kl** Olmüz 18. Februar, wo cs unter anderem hieß: Jeder gewöhnliche Menschder den Verdacht eines Verbrechens auf sich gezogen, würde „selbst den richterlichen Spruchüber sich verlangen, damit er wieder als ehrlicher Mann in jeder Versammlung, wo alleMitglieder Ehrenmänner sein sollen, erscheinen könne. Ein Abgeordneter scheint aberkein gewöhnlicher Mensch zu sein, seit er ein Stück reichstäglicher Unverletzlichkeit sichangeklebt; denn er geht nicht selbst zum Brunnen um sich zu reinigen, sondern muß erstseine übrigen unverletzlichen Freunde darüber berathen lassen ob sie ihn nur rein ge-waschen oder auch von der öffentlichen Meinung gebrandmarkt zwischen sich duldenwollen".