Anmerkungen.
501
anstatter jener Demonstration, von welchem es im Publicum hieß er sei leiblicher Bruderdes Abgeordneten. Ja cs wurde noch ein St. (Stephan?) und ein Franz Vacano ge-nannt und auch Kuranda in die Sache verflochten. Hierüber brachte die „Presse" Nr. 54vom 4. März einen Leit-Artikel, worin sie sich über diese vielen auftanchcndcn BrüderVacano lustig inachte, aber zugleich über jene Art Schriftstücke ein ernstes Wort sprach.Es seien allerdings Mistranens-Votcn vorgekommen; allein diese waren nie gegen denReichstag als solchen und als Ganzes gerichtet, „sondern nur an Fractioncn desselbenoder an einzelne Mitglieder". Was solle cs also mit Gegen-Demonstrationcn in der Ge-stalt von Vertrauens-Adressen an den Gesammt-Reichstag? „Wenn ihr dem ganzenReichstag eile Vertrauens-Votum bringt, ans wen fällt das Mistranen? Außer demReichstag sehen wir nur das Ministerium. Die anscheinend für den ganzen Reichstag be-stimmte Vertrauens-Adresse wird also bei näherer Besichtigung eine Ovation für die demMinisterium cntgcgcnstchcnde Partei. Wer cs so versteht und die Adresse zu diesem Bc-hnfe unterschreibt hat vom Standpunkte der Partei vollkommen Recht. Wer aber mit derOpposition und deren Principicn nicht einverstanden ist, kann und darf die Adressenicht unterzeichnen."
174) S 254. „Dieser gute Glaube ruhte leider auf keinem bessern Grunde als aufder Annahme: nachdem die Regierung so manche passende Gelegenheit zu einem gewalt-samen Staatsstreich »»»»benützt vorübcrgehen ließ, wird sie nicht jetzt in letzter Stunde nochzu einer aggressiven Politik zurückkehren". Springer II S. 669.
175) S. 254. Am 7. Februar hatte er den „Xur. blov." Nr. 32, Leit-Artikel ge-zeichnet ä-V. X., noch aus Kremsier geschrieben: „Die Kammer bewegte sich in Wien aufeinem stürmischen Meer, aber es war ihr besser als jetzt hier wo sie wie in der Lufthängt oder in einem Sumpfe steckt. Wir leben wie in einem politischen Nebel. Die Mi-nister, gleich den olympischen Göttern in ihrer Höhe wie bei Homer in Dunst gehüllt,lvcrfcn über die Völker die Loose." Er legte bald darauf sein Mandat zurück um seinewissenschaftlichen Arbeiten wieder aufzunehmcn; „Osvats," 1883 S. 197. S. auch „Grenzboten" 1849 I S. 221 aus dein Schreiben eines Abgeordneten vom linken Centrum:„Bei uns steht cs jämmerlich! Das Geschrei der Presse hilft zu gar nichts und über dieDrohungen einzelner Völker lacht das Ministerium und die Armee." Dann „Presse"Nr. 51 vom 1. März V Kremsier 26. Februar: „Wirft inan einen Blick auf den Kampfder Parteien so kann man sich eines wchmütlsigcn Lächelns nicht erwehren; die maulwurf-artige Blindheit der Wühler nach rechts und links, wie untergräbt sie geschäftig deneigenen Boden, unbekümmert ob die äußersten Enden des Landes in Hellen Flammenstehen, ob diese immer mehr um sich greifen, ob die Fackel endloser Zwietracht wieder-holt in das Herz der Monarchie geschleudert werde oder »licht. Der Horizont ihres po-litischen Scharfblickes ist enger bcgränzt als der Gesichtskreis des Wanderers ai» einemncbelbedecktcn Rovembertagc. Das Weltall könnte rings um sie hoch auflodcrn in» Ver-nichtnngsbrande, sie merkten cs nicht, cs wäre denn der Rauch würde ihnen bereits denAthen» benehmen. Der Entwurf der ConstitutionSurkunde ist vollendet, also frisch daranund ohne Zöger» das große Werk vollbracht! Fürchtet man aber den Selbstsüchteleicuder einzelnen Provinze»» zu erliegen, dann erkenne inan die Ohnmacht, trete vor den Thronund sage: Monarch, »vir »vollen aus deiner Hand empfangen was »vir uns selbst zugebe»» wegen Mangel ai» Einigkeit nicht vermögen, wenigstens nicht in der kurzen Fristdie für das Wohl des Vaterlandes so nöthig ist."
176) S. 25 t. Anfangs März ließ sich der „Bote f. Tyrol u. Vorarlberg" Nr. 56von» 8. S. 240 aus Olmüz schreiben: „Daß das todte Kremsier nicht der passende Platzfür das österreichische Rcichs-Parlaincnt ist unterliegt keinem Zweifel; eben so gewiß ist