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eine Interpellation an das Finanz-Ministerium richtete und dieselbe mit den bezeichnendenWorten begann: „In allen Zweigen der öffentlichen Verwaltung haben die halben Maß-regeln, unklaren Beschlüße nnd vielfache Deutung zulassenden Anordnungen nicht nurihren Zweck verfehlt, sondern gewöhnlich das Gegentheil von dem erzeugt was man ur-sprünglich erzielen wollte" rc.*). Aber wie sollte man in der Sache vorwärts kommen,wenn man sich ewig in dem Kreise drehte: daß der Finanz-Minister kein österreichischesGeld hergeben wollte und daß der Feldmarschall kein ungarisches annehmen sollte?
Der letztere hatte mittlerweile den Grafen Alinäsy ermächtigt, der ungarischen Com-mcrcial-Bank 20.000 fl. in Silber zu entnehmen und damit die Einlösung der ungarischenEin- und Zwei-Gulden-Noten zu beginnen. Es gefiel das den Leuten sehr wohl, und siekamen recht fleißig herbei sich gegen ihre »»sichern „Kossuthcrln" österreichische Banknotenoder gar blankes Silber herausgeben zu lassen, bis Herr von Havas unerwartet Kundebekam daß Kossuth seine Presse in Debrcczin nicht nur bereits ausgestellt und in Standgesetzt habe, sondern daß er dieselbe wieder Tag und Nacht arbeiten lasse, worauf na-türlich die Commercial-Bank Weisung bekam die Einlösung augenblicklich einzustellen.Kossuth machte übrigens nicht viel inehr in Einsern und Zweiern, den ganzen Januarhindurch nur 150.000 fl., das gab zu wenig aus; seine Sache waren jetzt die Fünfer,deren er in derselben Zeit 7,000.000 hinausgab; vom 1. Februar an arbeitete er nur indiesen, im Durchschnitt täglich 5000 fl. Seine Berechnung war übrigens eine ganz gute:waren nur einmal die Einser und Zweier anerkannt so werde die Bevölkerung die Fünferauch nicht verwerfen für die zuletzt selbst bei der Regierung dieselben Gründe sprechenmüßten wie für jene. In der That sah sich im Hingang der Wochen Fürst Windisch-Grätzgezwungen von seiner ursprünglichen Auffassung dieser Frage soweit abzugehen daß er beimFinanz-Minister nicht blos den Einsern und Zweiern nach deren vollem Rennwcrth dasWort sprach, sondern auch die Fünfer nach ihrem halben Ncnnwerthc bei den öffentliche»Casscn anzunehmen empfahl; „dadurch würde auch noch der Vorthcil erreicht daß eineMasse von ungarischen Noten zu 100 und 5 fl. durch Speculantcn gegen österreichischeBanknoten eingewechselt würden um mit jenen in den von den Rebellen noch besetztenTheilcn Einkäufe an Früchten Waaren u. dgl. zu machen"; Wind, an Krauß 12. Fe-bruar 1849.
Der Zustand, der durch eine solche Reihe halber Maßregeln, durch die fortwährendauftauchendcn eines dein andern widersprechenden Gerüchte geschaffen wurde, war nach-gerade ein unerträglicher. An: meisten natürlich in den beiden Hauptstädten. Für ge-wöhnlich standen ungarische Noten zu 100 fl. um 4 bis 5, jene zu 1 fl. und 2 fl. um2 Pcrccnt niedriger als die kaiserlichen, Silber hatte 8 bis 10, Gold 40 Percent Agio.Gewisse Artikel wurden in das ungeheuerliche verthcuert. Die Wiener Post nahm Prä-numerationen für ausländische Zeitungen nur in klingender Münze an, und so kam z. B.einem Pcstcr Abnehmer die Augsburger Allg. Ztg., die für gewöhnlich bis 16 fl. Silberkostete, auf mehr als 42 fl. nach ungarischem Gelds zu stehen. Im Hingang des Fe-bruar sank der Werth der höher» ungarischen Noten immer mehr, und unter diesen selbststellte sich ein Werthunterschied heraus. Wer z. B. einen Kossuth-Hunderter wechselnwollte, bekam dafür nur 80 fl. in Kossuth-Fünfern; um diese in kaiserliche Noten um-zuwechseln mußte man auf jeden Fünfer einen Zwanziger daraufzahlen, an Silbcrgeldaber erhielt man für den ursprünglichen Hunderter etwas über 65 fl. Aber nicht blosin Ungarn selbst hatte man über die Folgen der schrankenlosen Kossuth'schen Noten-Fa-brication zu klagen: die Geld- und Handelsverhältnisse der ganzen Monarchie litten dar-
*) Stell. Aufnahme ZV S. 539 f.