Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 3 (1886) Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Seite
444
Einzelbild herunterladen
 

444

Anhang.

nung in der Monarchie mit verstärktem Nachdruck darauf, jenen Schritt nicht länger zuunterlassen; man dürfe, sagte sie init Rechtsich eines Bundesgenossen nicht entäußern durchdessenHilfe cs möglich wird die Rebellion'auf unblutige Weise aus ihren letzten Schlupfwinkelnzu treiben". In Ungarn selbst war kein Einsichtsvoller, er mochte der revolutionärenoder der conservativen Partei angehören, einen Augenblick darüber im Zweifel daß mitdem Einmarsch der kaiserlichen Truppen das Kossuth'sche Papiergeld Kraft und Geltungverlieren werde. Obgleich es in den beiden Hauptstädten bis zum letzten Augenblicke fastausschließend umlief während kaiserliche Banknoten wenig zu sehen waren, als kostbaresGut verborgen und verschlossen wurden nur österreichische Silber-Scchserln standenin Verkehr, waren Pester Kausleute nach der Besetzung darauf gefaßt ihreKossutherln"selbst im Kleinvcrkchr von kaiserlichen Osficieren und Mannschaft zurückgewicsen zu sehenund konnten kaum ihre freudige Ueberraschnng verhehlen als das Gcgentheil stattfand.Noch größer doch keineswegs freudiger Art, war das Erstaunen auf kaiserlicher Seite.Die Naivetät geht so weit", trug ein kaiserlicher Officier zwei Tage nach der Besitz-ergreifung in sein Tagebuch ein,daß auch wir alles Geld dessen wir zum Dienstbetricbbedürfen in ungarischen Geld erhalten, vielleicht sogar die Gagen, und wer sich eineSumme ersparen wird, muß wünschen, seinein Mammon zu Liebe, daß die Revolutionreussirt".*). Doch woher sollte man in Pest Geld nehmen wenn von Wien keines ge-schickt wurde? Graf Almrisy schrieb ein über das anderemal, die PesterWiener Währung-Cassa" bedürfe dringend einer Dotation an österreichischen Banknoten und Münze; in derArmec-Operations-Cassa ging das Geld, das man bei Beginn des Feldzuges erhaltenhatte, zur Neige, kauin daß es noch zur Zahlung der Gagen und Löhnungen auslangte;dazu die Bezahlung der Beamten, der Pensionisten, der Witwen und Waisen, so daß dieFinanz-Behörden des Feldmarschalls sich in der bittersten Verlegenheit befanden.

Der vorsichtige Finanz-Minister wollte keine Entscheidung treffen, so lang ihm nichtdie genauesten Nachweise geliefert seien: wie viel Noten jeder Sorte ausgegebcn? in welchenGegenden des Landes dieselben im Umlauf seien? ob und welcher Metallstock zur Deckungderselben vorhanden sei? ». dgl. Fürst Windisch-Grätz war nicht blos in seinem Innernvon der Gefährlichkeit des Kossuth'schcn Agitations-Mittels überzeugt, er sprach sich auchöffentlich gegen die Führer des Aufstandes aus, diedas so reich gesegnete Land durchUeberschwemnnmg mit größtentheils ungesetzlichem Papiergeld verarmen wollen und diesesgesetzlose Verfahren durch Mitnahme der Banknoten-Pressc in tollem Uebermuthe noch

gezogen zu habe». Das Baranher Comitat bis an das linle Dranuser, so wie die Festung Essegg nebstmanchen anderen nicht unerheblichen Gebictstheilcn find noch in feindlichen Händen. Wird nun dasungarische Papiergeld in den von unseren Truppen unterworfenen Theilcn außer Cours gesetzt, so mußes nothwendig und unaufhaltbar nach jenen Gegenden strömen, wo ihm Kossuth's Einfluß zur Zeit nocheinige Geltung verschafft. Diese massenhaste und unverhältnismäßige Anhäufung von Papiergeld, dasbekanntlich einer entsprechenden Fnndirnng entbehrt, wird den Eonrs desselben in Bälde so Herabdrücken,daß die aufständische Partei nicht einmal die allcrnöthigsten Kriegsbedürsnisse damit zu verschaffen imStande sein dürfte. Maßlose Erpressungen werden hierauf folgen und die Erbitterung der Bevölkerungjener Gegenden wird unseren Truppe» die Mühe ersparen, mit den Anführern der Rebellen fertig zuwerden. .Ein Wiener Kansmann" in der Ost-Deutschen Post vom 7. Januar meint zwar, die obige»Beweggründe möchten die Anerkennung der Kossuthnoten nicht beirren, da Oesterreichs Sache auch .trotzder Noten" gesiegt. Wir begreifen mit Bedauern diese Ansicht von dem Standpunkte des .Wiener Kauf-mannes", der seinen eventuellen Geldverlust höher anschlägt, als das unnöthig verspritzte Blut unsererheldenmüthigen Soldaten; aber wir sehen in dieser Argumentation eben nichts anderes, als einen neuenBeweis für die bekannte Wahrheit, daß ein Staat nicht durch Kausleute regiert werden soll"".

H. Qu. Banns bis. zum 7. Februar IStg. Siehe auch I'imockan Souvenirs S. 171: »blosottioiors gui roeevaient partout oos biliets äovinront ainsi, pur UN6 singuiiora oontraäiotion, los