Die Kossuth-Noten-Frage bis zum März 1849.
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Das waren also binnen des Zeitraums von zwölf Tagen zwei ganz verschiedene Wei-sungen einer und derselben Behörde über einen Gegenstand, der entschieden sein solltebevor ein Mann der Windisch-Grätz'schen Haupt-Armee seinen Fuß auf ungarischenBoden setzte. Als Windisch-Grätz zu Anfang December vom Finanz-Minister eine Millionfür den Beginn des Feldzuges verlangte, stellte ihm der ökonomische Krauß 778.000 fl.zur Verfügung und knüpfte daran die Weisung, das ungarische Papiergeld einstweilen zurVerpflegung der Truppen zu gebrauchen. Eine Anfrage des Armee-Commandos, was mitden 11.483 ungarischen Noten die sich in der Operations-Casse fänden zu geschehen habe,wurde seitens des Finanz-Ministeriums in gleichem Sinne beantwortet, 16. December*).Der Feldmarschall that entschieden Einsprache gegen eine solche Zumuthung, 13. De-ccmber, und in seinem Aufträge erließ Obrist von Schobeln aus dem Haupt-Quartierzu Petronell (16. December) an alle Corps-Commandanten das Verbot ungarisches Pa-piergeld anzuuehmen; eine Weisung die jedoch wieder zurückgenommen werden mußteals das Schreiben des Finanz-Ministers an Schlik bekannt wurde, Karlburg 20. De-cember. Trotzdem wurde noch am 28. vom FML. Grnebcr als Chef des Armee-Gcneral-Commando an Kempen in Presburg und Simuniö in Tyrnau ein Erlaß gerichtet, lautdessen ungarische Noten bei Aerarial-Casseu nicht angenommen werden sollten**). Alleinaus Pest kam am 3. Januar 1849 die Belehrung daß hinsichtlich des Wertstes der un-garischen Noten die eudgiltige Entscheidung abzuwartcn, übrigens der vorgcdachte Erlaßdahin abzuändern sei, daß die Annahme der kleinen Noten zu l und 2 fl. vorläufigkeinem Anstande unterliege; Grnebcr erhielt dabei die Mahnung in wichtigeren Angelegen-heiten vorerst im Haupt-Quartier anzufragen ehe er eine Anordnung treffe.
Wenn die thatsächliche Anerkennung der ungarischen Banknoten vielseitig dem FürstenWindisch-Grätz zur Last geschrieben wurde so war das in der Wahrheit nicht gegründet.Wenn denselben in dieser Sache ein Vorwurf treffen kann, so wäre es kein anderer alsdaß er sich, ausgerüstet wie er war mit unbedingter Machtvollkommenheit zur Pacifici-rung von Ungarn, nicht mit unbeugsamer Kraft gegen hie beklagenswerthcn Vellcitätender Wiener Finanz-Behörden gestemmt habe, die verschämt genug waren sich zu einerformellen Anerkennung jenes Geldes verdächtigen Ursprungs nicht herbeizufinden, währendihnen die Courage fehlte mit einem entscheidenden Schnitt das böse Geschwür auf einmalaus dem Leibe des fieberkranken Landes herauszulösen. Im Grunde wenn man so gc-lind als möglich Vorgehen wollte, handelte es sich darum zwei bis drei Millionen in dieHand zu nehmen und jenen Betrag ungarischen Papiergeldes, der einen Schein von Ge-setzlichkeit für sich hatte und der überdies zu einem großen Theile durch einen in derPester Bank dafür hinterlegten Metall-Stock gedeckt war, gegen österreichische Noten undMünze einzulösen. Allein zu einer solchen Aufgabe konnte sich der überbedenkliche undhaushälterische Krauß nicht entschließen. Die unabhängige Presse Wiens war, währenddein Stadion'schen „Lloyd" die undankbare Aufgabe eines journalistischen Eiertanzes nachdem Tacke des Finanz-Ministers zuficl, längst mit sich im reinen daß die Regierungkeinen Augenblick säumen dürfe der Revolutions-Partei jene gefährliche Waffe des Wi-derstandes und der Selbstbereicherung aus den Händen zu winden, ohne sich „aus übelangewandter Milde und Humanität" von Ergreifung dieser dringend gebotenen Maßregelabhalten zu lassen***). Nach dem Ereignisse des 5. Januar bestand die öffentliche Mci-
*) Näheres ebenda S. 206.
**) Wortlaut s. Bd. IV 1 Anhang S. -1-1 f.
Siehe z. B. „Presse" 1848 Nr. 140 vom 16. December, 1849 Nr. 7 vom 9. Januar wo eSunter anderem heißt: „Die Insurgenten unter Kossuth's Leitung scheinen sich gegen Debreczin zurück-