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4. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 3 (1886) Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
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358 III. 23. Ausnahme der oetroyirten Verfassung in Wien.

Es fehlte zwar nicht an siegverkündenden Botschaften, und die Trans-porte ungarischer Gefangener, oft im elendesten Zustand, viele barfuß,ohne Wäsche, schienen dieselben zugleich zu bestätigen und zu illustriren.Aber man wußte selbst nicht warum, man glaubte im Publicum nichtrecht daran. Selbst die Börse, in den ersten Tagen nach der Octroyirungso schwungvoll, wurde flauer. Bei den Misvergnügten verfingen alle jeneNachrichten nicht und die heftigeren unter ihnen ließen sich zu allerhandärgerlichen Auftritten Hinreißen. Hier erklärte einer das 24. Armee-Bulletin, das die Leute beim Stubenthor lesend umstanden, für eine ge-druckte Lüge; dort zerriß ein anderer in einem Gasthause das 25. unterSchimpsreden und warf die Fetzen unter die Gäste.

Unter solchen Umständen näherte man sich der Jahreswende derdrei vielgepriesenen März-Tage von 1848. Stadion hatte, um die un-ausbleibliche Erinnerung daran in ein geregeltes Bette zu leiten, nochim Laufe des Februar auf diesbezügliche Anfragen einzelner Länder-Chefs erwidert daß, um einer Glorificirung des 13. März vorzubeugen,am 15. als dem Tage der von Sr. Majestät Kaiser Ferdinand ver-heißenen Constitution eine Feier stattfinden solle die sich jedoch auf einenGottesdienst zu beschränken hätte. Nachdem dann aber das Verfassungs-Werk zur Reife gediehen war, hatte Stadion jene Weisung dahin ab-geändert daß unmittelbar nach Kundmachung desselben und zwar aus-schließlich zur Feier dieses Staatsactes ein solenner Gottesdienst abgehaltenwerde, jene andere auf den 15. März angesagte Kirchenfeier dagegen zuentfallen habe. Allein was durch diese vorbauende Maßregel vermiedenwerden sollte, trat dennoch ein, und zwar unmittelbar in Wien, jenemSchallplatze wo sich eben die vorjährigen Ereignisse abgespielt hatten.

Wenige Tage nach den Freudetagen, welche die Kundmachung deroetroyirten Verfassung in ihrem Gefolge hatte, durchlief die Stadt dasGerücht es werde am 13. März sowohl bei St. Stephan als auf demSchmelzer Friedhof eine Erinnerungsseier für die Gefallenen begangenwerden. Gewiß gab es viele welche die Sache ernstgläubig Hinnahmen undsich im Dome einfanden,um an dem Jahrestage der errungenen Freiheitfür unser theuerstes Gut dem Himmel zu danken und der Gefallenen inheißem Gebete zu gedenken". Ebenso gewiß ist es aber daß die Ver-anstalter jener Feier ganz etwas anderes im Sinne hatten als eineHandlung frommer Erinnerung zu begehen; daß vielmehr ihre Absichtwar der öffentlichen Meinung den Puls zu fühlen, dabei die eigenen