Gemeinderaths-Deputation in Olmüz — Feierlichkeiten in Wien. 355
Basteien bis 10, Offenhalten der Kaffee- und Wirthshäuser bis 12 Uhrnachts — folgte in diesen Tagen eine Feierlichkeit auf die andere. AmSamstag den 10. fand eine solche im israelitischen Bettempel in derSeitenstettengaffe statt, wo der Prediger Mannheimer die Dankrede hieltund die Volks-Hymne mit hebräischem Texte gesungen wurde. Am' Sonntag darauf war feierliches Hochamt bei St. Stephan, Ausstellungder Garnison, bei 14.000 Mann mit 6 Batterien, auf allen Haupt-plätzen der iunern Stadt, 101 Kanonenschüße von den Basteien. „Eshat einen wunderbaren Eindruck auf mich gemacht!" versichert einAugenzeuge. „Diesen Donner mit seinem eigenthümlichen Rollen undEcho hatteil wir seit der furchtbaren Kanonade des letzten Octobers nichtin Wien gehört; er rief alle Schrecken jener Tage, den großartigenSchluß des Kampfes und alle blutigen Folgen desselben wieder ins Ge-dächtnis!" Nach beendeter kirchlicher Feier war Desilirung der Truppenvor dem Militair- und Civil-Gouverneur und dem Minister-Präsidenten,die auf dem Michaeler-Platze Stellung nahmen, so daß der Abmarschdurch die kaiserliche Burg erfolgte: voran ein Trupp öereLaner, ganzneu uniformirt, und ein Bataillon Gränzer, daraus die Brigaden ChizzolaSanchez Herzinger und Gerstner, zuletzt Artillerie mit den Geschützen.Der Andrang der Bevölkerung war so groß daß zeitweise Stockungeneintraten, besonders am Kohlmarkt, bis Baron Weiden den vorsorglichenBefehl gab, die Abtheilungen in geringerer Breite aufmarschiren zulassen 22"). Abends war militairischer Zapfenstreich. Den großartigen Zug,der die von wogenden Menschenmassen erfüllten Straßen der Stadtdurchschritt, bildeten 2 Musikbanden und 60 Tambours; ein Geleite vonmehreren Tausenden von Leuten vor ihm und hinter ihm die, als dieVolks-Hymne angestimmt wurde, in stürmischen Jubel ausbrachen, vielfachauch den Text mit lauter Stimme dazu sangen. Nicht geringere Aus-brüche der Freude rief ein Fiacre hervor, der das Innere seines offenenWagens in eine Art Schnuzelt umgeschasfen hatte in welchem zwischenFahnen Blumen und Lampen das Bildnis des Kaisers ausgestellt war,das er nun in langsamem Tempo durch die Straßen führte. Die Stim-mung der Bevölkerung war eine gehobene, man sah nur frohe Gesichterund hörte nur Worte der Befriedigung über die so glückliche Wendungder Geschicke Oesterreichs 220 ). Während der Ausrückung am Vormittagwar eine unbekannte Dame bei dem auf dem Neue» Markt ausgestelltenGrenadier-Bataillon Wocher erschienen und hatte dem Commandirenden