Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 3 (1886) Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

Neuwall's Vorschläge.

325

rathung war in ein Stadium gerückt wo, bis auf die zuletzt genanntenAbgeordneten und Szaszkiewicz der schon in seiner Eigenschaft als Mini-sterial-Beamter keinen Anlaß fand den Schritt der Regierung zu bekämpfen,alle andern den Minister beschworen, er möge seinen ganzen Einfluß aufbietenum diegefährliche", jagesetzlose und rechtswidrige" Maßregel rück-gängig zu machen. Uebcr die Frage was dann zu geschehen habe warendie Meinungen getheilt. Während von einer Seite vorgeschlagen wurde,es sollteil die reichstägigcn Vorlagen, sowohl Grundrechte als Verfassung,mittelst kaiserlicher Botschaft den Völkern verkündet werden, worauf derReichstag freudig und mit Ehren auseinander gehen werde, lehnten anderedie Octroyirung in was immer für einer Form ab und beantragten eineVereinbarung mit dem Reichstage, wenn auch kopfüber; wenn auch inder kürzesten Zeit wo man für die Hälfte der Grundrechte vierzehnWochen gebraucht hatte; wenn auch mit Beiseitesctzung aller Vorschriftenund Vorsichten der Geschäftsordnung, die gerade bei diesem wichtigstenund folgenschwersten aller Acte ohne Kraft sein sollten! In der nächstenSitzung des Reichstages, so wollte Neuwnll, werde der Reichstag durchkaiserliche Botschaft zur Beschleunigung seiner Arbeit ausgesordert undihm dafür eine kurze Frist gegeben; derselbe werde dann den ans denBeschlüßen des Constitutions-Ausschußes hervorgegangenen Verfassungs-Entwurf ohne Debatte annehmeu und der Regierung vorlegen; ein ausdem Schoße des Reichstages gewählter mit den nöthigen Vollmachtenversehener Ausschuß vereinbare mit dem Ministerium die strittigen Punkte;am 15. März 1849 werde dann die Verfassung kundgcmncht und vomKaiser beschworen 2»?).

*

Während dies in Kremsier vorging spielte sich eine Verhandlung andererArt und in durchaus gelassener Weise in Olmüz ab. Major Graf Huhnhatte sich, dem ihm gewordenen Bescheide gemäß, gegen Abend beimMinister-Präsidenten eingefundeu um sich die erbetene Instruction zuholen. Allein die war noch nicht fertig; der Fürst berieth sie eben mitBach und Bruck, denen im letzten Augenblicke Zweifel aller Art auf-stiegen, und zwar äußerte der Justiz-Minister Rechtsbedenken wegen derdurch die Polizei vorzunehmendeu Verhaftung der Compromittirten, derHandels-Minister Einwendungen in constitutionaler Richtung über denVorgang bei der Auflösung. So wurde uuter auderm erwogen ob cs