316 III. 19. Schluß der Verhandlungen über die Religions- u. Kirchen-Frage.
wenn man sagt: der Staat habe ein gns in non saora, und von diesennon saors. gibt es in der Kirche sehr viel" (Heiterkeit. Zuruf: Das istsehr gut!). Der Bischof von Przemhsl beklage sich über die Verwaltungdes Religionsfondes durch den Staat: würden die Bischöfe etwa mehrzuwege gebracht haben? Man betrachte das Loos der armen Capläne!Haben die Bischöfe ihnen geholfen? „Trotz ihres Uebcrflußes und derHunderttausende ihrer Einkünfte hat keiner von ihnen nur halb so vielgethan als dieser grausame Religionsfond" (Bravo). Sei es mit denkirchlichen Gebäuden nicht ebenso? „Kleine verfallene Kirchlein wo derWind durch das lückenhafte Manerwerk und durch die losen Fensterstreift, sie bilden einen grellen Contrast zu den tempelartigen Oekonomic-Gebäuden*) die in bischöflichen Parks angetrosfen werden!" (Bravo,Zischen.) Er wolle, lenkte der Redner nach diesen Zeichen des Misfallensein, nicht dem Gastrechte nahe treten; es sei ja bekannt daß der Kirchen-fürst „der uns die Hallen seines Hauses freundlich öffnete" große Wohl-thatcn spende, allein — und dieser Vorwurf könne ja den gegenwärtigenFürsten nicht treffen — wahr bleibe es immer daß die Einkünfte derKirche nicht immer für kirchliche Zwecke verwendet werden: „Ich glaube,meine Herren, Sie werden mir den Beweis erlassen wenn Sie einenflüchtigen Blick auf die Decke dieses Saales werfen". Den Plafondschmückten nämlich Darstellungen aus der elastischen Mythologie, was beidem größern Theile der Versammlung „anhaltende Heiterkeit und Beifall"hervorrief, während die Besonneneren schwiegen, weil der Redner durchdiese abermalige Unzartheit mindestens nicht den derzeitigen Besitzerdes Hauses, dessen Räume dem Reichstage dankenswerth geöffnet waren,treffen konnte. Nun kam wieder die Reihe an den Abgeordneten fürTachau. Er wolle Freiheit der Kirche: ja wer sei denn eigentlich dieKirche? „Die Bischöfe sagen: die Kirche sind wir, mit Ausschluß derSeelsorger und Gläubigen. Die Pfarrer sagen: die Kirche sind die Bischöfeund wir, mit Ausschluß der Capläne und der Gläubigen. Die Geistlichensagen: die Kirche sind wir mit Ausschluß der Gemeinde. Meine Herren,ich bin kein Bischof, kein Professor und kein großer Thcolog, ich haltemich an meinen Katechismus und da heißt es: ,Die Kirche ist die Gemein-schaft aller Gläubigen unter ihrem sichtbaren Oberhaupte in Ronll re.Von den Bischöfen steht da gar nichts" (großer Beifall). Im Laufe
y Siehe Bd. III S. 285.