278 III. 17. Der „zweite Lheil" des BerfassuiigswerleS.
und du Weiß und Ruth in fast allen Nationalfarbcn Vorkommen, scheintWciß-Roth-Gold die glücklichste Farben-Berbindnng zn sein." Das wurdezuletzt einstimmig angenommen, auch von Strobach der sich aber nichtenthalten konnte zn bemerken: „Wenn nicht Pinkas eine begründete Com-bination hcrvorgczogcn hätte, so würde ich Weiß-Blan-Roth vorgeschlagenund dem Abgeordneten ans Groß-Schlesien versichert haben daß ich esnicht ans Slaventhümelei thue"*).
Gleich in der ersten Sitzung vom 22. Januar war es kein geringererals Ernst von Bioland, der Mann von der äußersten Linken, gewesender beantragt hatte das Ministerium cinznladcn und sich dessen An-schauungen zn erbitten, ein Borschlag der auch von Hein und Palackhgebilligt, von crstercm in einer später» Sitzung wieder ausgenommenworden war. Allein Pinkas, der Schöpfer des Dringlichkeits-Antragesvom 8. Januar, erklärte es „wider die Würde des Reichstages sowie desConstitutions-Ausschußes wenn man sich durch die Ansichten des Mini-steriums leiten und sich somit eigentlich von der Regierung den Constitu-tions-Entwurf ansarbciten ließe", und somit unterblieb jeder Schritt indieser Richtung**).
Um so maßvoller war die Vorsicht und Besonnenheit die man,nachdem auf eigenen Füßen zu stehen beschloßen war, sich auferlcgtc, »malles und jedes zn vermeiden wovon sich mit Sicherheit vorarisschen ließdaß es die Zustimmung der Krone nicht erlangen würde. Dem in derWiener Zeit so aufdringlich vorwaltcndcn RadicalismnS wurde im „zweiten"Theile des Verfassungsentwurfes eigentlich nur ein auffälliges Opfergebracht, ja eigentlich nicht einmal gebracht, weil cs nur Folge dessen warwas man bereits bei den Grundrechten beschloßen halte und was von derKammer angenommen worden war, und so blieb denn der grund-besitzende Adel, in keinem der festländischen Staaten Europas von solchemAnsehen und Einfluß wie in Oesterreich, im Kremsicrcr Berfassungsentwurfohne alle Berücksichtigung als ob er überhaupt nicht bestünde. Gleichsamals Sühne für diese Reminisccnz aus der heißen Wiener Zeit beeilte man
*) Peotoeollc S. 269.
**) Ebenda S. 12. 14 f. 78.