270 III. 17. Der „zweite Theil" des VerfassimgswerkeS.
wendet werden sollten. Für diesen Satz kamen den böhmischen AbgeordnetenBundesgenossen selbst aus dem jenseitige» Lager zu. „Es muß den Gedul-digsten in Harnisch bringen", sagte der Kramer Kautschitsch, sonst selbstder Geduldigeren einer, „wenn er sieht daß die Einheimischen von fremdenBeamten gedrückt und gleich Heloten behandelt werden." Giov. Gins.Filippi, Advocat in Zara, klagte in italienischer Sprache: „Während derfranzösischen Negierung hatte Dalmatien nur eingeborne Beamte, währendjetzt bei den vier Tribunalen ein einziger eingcborner Rath, sonst nurFremde zn finden sind." ZiemiaNowski erhob die gleiche Beschwerde fürsein Galizien. Gegen diese Klagen und Forderungen erhoben sich nun dieVertreter aus den Erzherzogtümern und der Steiermark. Daß dieitalienischen Provinzen und Galizien bisher von nicht-cingeborncn Beamtenüberschwemmt waren, meinte Baron Cavalcabo k. k. Landrath in Grätz,sei erklärlich, „da es zur Politik des früheren Systems gehörte diese niesehr anhänglichen und zufriedenen Provinzen von verläßlichen und un-bedingt gehorsamen Werkzeugen des alten Nvginic überwachen zn lassen";das höre aber jetzt von selbst auf. Anderseits, meinte er weiter, wäre zubedenken „daß Landeskinder dort wo verschiedene Nationalitäten streitennie ganz unparteiisch, daß von der Ländergewalt ernannte Beamte vondieser gewissermaßen abhängig sind und daß es, was namentlich die Ge-rechtigkeitspflege betrifft, dann mit der Selbständigkeit und Unabhängig-keit des Richterstandes ein Ende hätte". Goldmark fand es unbegreiflich„daß hier, wo an der Einigung Oesterreichs gearbeitet werden soll, stetsnoch von Landcskindern die Rede ist. Ich kenne in Oesterreich nur Oester- -reicher die, sobald sie die gesetzlichen Erfordernisse haben, in allen öster-reichischen Kronländcrn Aemter bekleiden können". „Wie stünde cs dann",rief Brestcl aus, „mit nnserm Wahlsprnche: ein einiges starkes Oester-reich ! Wollen die Anhänger der gegenteiligen Ansicht zwischen den öster-reichischen Provinzen chinesische Mauer» aufführen um uns in den Augender civilisirten Welt zn prostituiren?" *)
Da die Verthcidiger der Landeskindschaft den Umstand in den Vor-dergrund schoben daß Eingeborne die Verhältnisse und Bedürfnisse desLandes am besten kennten und zu würdigen wüßten, und ans eben diesemGrunde der Landesgcwalt und den Landtagen die Fülle und dasSchwergewicht der Regierung zuweisen wollten, so wurde ihnen von den
) Protocolle S. 72, 257—260.