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4. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 3 (1886) Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
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Residcnzverstand" undProvinzialverstand". 271

Centralistcn dieKirchthurm-Politik" entgegcngchaltcn, auf den engcrnGesichtskreis der Vertreter der Provinz im Vergleich zu jenem des Gc-sammtstaatcs hingewicscn und daraus der höhere Beruf des gemeinsamenReichstages gegenüber dem der Landtage gefolgert.Wird einmal politi-sches Leben in Oesterreich herrschen dann wird auch im Reichstage dieElite der Capacitäten des ganzen Reiches zu finden sein; in de» Land-tagen werden nnr durchgefallenc Reichstags-Candidatcn und meist mittel-mäßige Talente wirken, somit auch kleine spießbürgerliche Interessen ihreVertreter finden" (Brestcl). Es war am selben Tage, 31. Januar, imReichstage jenes Amendement Jonäk's über die Gcmcindeordnungcn durch-gcgangen das die Centralisten wie ein Stoß ins Herz traf*), und Heinder niemals fein war und sehr grob sein konnte, hob cs hervor: cs sprechedieser Beschluß der Kammer zwar nicht sehr zu Gunsten des Reichstags-Verstandeszum Glück war ich in der Minorität" indessen hoffeerder Reichstagsverstand werde als die größere Summe der Intelligenzenin der Folge größer sein als der Provinziallandtagsverstand". Pnlackycntgegnete spitz: zur Zeit des Absolutismus habe man wohl denResidenz-Verstand" für specifisch höher gehalten als den der Provinzler, und dieHerren von der andern Seite scheinen sich noch heute auf demselbenStandpunkte zu befinden. Pinkas konnte gleichfalls seineVerwunderungüber den so eben von Palackh gerügten Capacitätenccnsus" nicht unter-drücken. Gleichwohl blieben sie hier wie in andern Dingen es wardie Frage der Jndnstrial-Gesetzgebung die nach dem Palackh'schcn Entwürfeden Landtagen zufallen sollte bei der Abstimmung in der Minorität **).

Die drei Vertreter Böhmens wollten auch die Bewilligung zurHcercsergänzung den Landtagen zugewiesen haben. Nieger nannte dieKriegspflicht eineMenschenstcuer". Brestel fiel ihm hierin bei, undzwar sei es eine Steuer der drückendsten Art, weil sie den Armen mehrbelaste als den Reichen. Lasser meinte, die Wehrpflicht sei weniger eineSteuer als ein nothwendiger Blutzehent. Bezüglich der Frage der Zu-ständigkeit des Reichstages oder der Landtage äußerte Brestel sehr gut:Ich halte das preußische System für das beste, nach welchem jeder wehr-fähige Mann eine Zeit wirkliche Militnir-Dienste leisten muß. Ich hoffedaß wir das auch bei uns einführen werden"***).

*) Vor. Bd. S. 8587.

**) Protokolle S. 7577.

***) Ebenda S. 305.