Meuterei Görgci's und Klapka's gegen den Oberfeldherru. 219
Poroszlo standen, vor sich. Dembmski war von seinem Ansritt an dengefährdeten Posten kaum zurück, als sich Szcmere bei ihm melden ließ.Szemere hatte um einiger politischen Angelegenheiten willen eine Fahrtnach Miskolcz vor, gegen das FML. Ramberg von Kaschau nnrücktc.Vor seinem Abgehen sprach er Dembmski, machte ihn auf die bedenklicheStimmung in der Armee aufmerksam über deren Ungehorsam dieser gleichzu klagen begann, und crtheilte ihm den wohlmeinenden Rath sich alsFremder mit seinen Nnterbefehlshabern i» freundlicheres Benehmen zu setzen,für seine Stabs- und Kanzlei-Chefs bessere Wahl zu treffen und vorallem einen Kriegsrath einzuberufen um jene mit seinen ferneren Ab-sichten vertraut zu machen. Das wies Dembmski schroff zurück: „EinenKriegsrath beruft nur der General der sich allein nicht zu helfen weiß;ich aber nehme die Verantwortlichkeit für meine Operationen auf michselbst und allein." In diesem Sinne schrieb er am selben Tage an dieRegierung nach Debrecziu, indem er sich bitter über die Unbotmäßigkcilder Corps-Commandantcn beklagte: „Nicht ich habe die Armee hichcr-geführt, sondern ich habe ihr folgen müßeu." Schon befanden sich aber auchvon der Gegenseite zwei Stabs-Officiere auf dem Wege nach Debrecziu,von Görgei und Klapka beauftragt „der Regierung über die nächstenUrsachen des mislungcuen Fortganges unserer KriegS-Operationen dieAugen zu öffnen". Von Kossuth selbst empfing der Oberfeldherr amselben Nachmittag einen langen Brief voller Vorwürfe und Nathschläge:„Also wieder eine Retirade nach einem Sieg! . . . Tausend- und tausend-mal muß ich wiederholen, nur eine vorsichtig geleitete Offensive gibt unssicheren Sieg . . . Wollen Sie Ihre Armee gut verpflegt haben so müssenSie Terrain zu gewinnen suchen, nicht Terrain aufgcben!"* *)
Am 3. während Szemere's Abwesenheit kochte es in den Gemütheruohne daß etwas zum Ausbruch kam. Dembmski entwarf einen Berichtan den Kriegs-Minister worin er, unter Beischluß der Abschriften seinerjüngsten Befehle, die Bitte stellte: „es möchte eine mit ausgedehntenVollmachten versehene Persönlichkeit nach Tisza-Fürcd entsendet werdenum der unerquicklichen Situation ein Ende zu machen" **). Der Berichtkreuzte mit einem Befehle des Kriegs-Ministers an Dembmski: „derObrist Klapka sei von seinem Corps-Commando zu entheben und nach Ko-
ch Danzer I S. 222 f. 236—243.
*ch Ebenda S. 229.