218
II. 14. Militair-Revolte in Tisza-Füred.
auf ein bequemes Nachtquartier hielt und sich's bei der Tafel gernwähl sein ließ, vor den Augen seiner Officierc guten Wein trank, ohnedaß sich „ein goldenes Porte-spse rühmen konnte je einen Schluck ausder Generalsflasche gemacht zu haben" *).
Von den Soldaten gar nicht zu reden, die in den Tagen von Kn-polna an allem Mangel litten so daß sie, wie Klapka klagte, bei Egcr-Farmos schlecht gekleidet, ohne Holz dem Regen und Frost ausgesetzt,seit drei Tagen mit Hunger kämpfend, durch andauernde Märsche er-schöpft dem Feinde nicht standhalten konnten**). Allein so sehr dieszu bedauern war so traf die Schuld gewiß nicht den Obcrfeldherrn, dermit Szemere vor Beginn der Operationen alles reiflich besprochen undMagazine jenseits der Theiß, vom Feinde sicher, in Egyck hatte an-legcu lassen. Dembinski war es ja selbst der das Darben der Armee ammeisten beklagte und es geradezu „Görgci's üblem Willen" zuschrieb daßseine und Szemere's Anstalten nm ihren Erfolg gebracht wurden ***). Alsihn Kossuth ansholte warum er die Armee „nach einem Sieg" hinterdie Theiß führe, antwortete Dembinski: „Weil sie hungert!" Auch darinerblickte die Partei Görgei ein von den übelsten Folgen begleitetesUngeschick des Oberfeldherrn, daß er bei seinen Dispositionen für dieSchlacht die einzelnen Corps zerrissen habe wodurch „einander ganzfremde Heeresabtheilungen in nachbarliche Gefechtsstellungen gebracht" undTruppen für den Augenblick unter die Befehle von Führern gestelltwurden denen sie „fremder waren als die feindlichen" si). Dembinski er-klärte dies aus dem Drang der Umstände, was ihn auch genöthigt habe„an die einzelnen Divisionen des Görgei'schen Corps directe zu schreiben,welches zwar von dem General Görgci nicht mit jener Moderation aus-genommen ward die man von einem einsichtsvollen Soldaten erwartensollte, welches aber unumgänglich nöthig war" sich).
So war denn, als sich die Armee um Tisza-Füred sammelte, alleszum unheilbaren Bruche reif. Das Vorspiel dazu ging schon am 2., andem Tage wo Görgci mit Gnyon und Herteleudy gegen Wrbna bei
*) Levitschnigg I S. 14V.
Unabhängigkeitskrieg I S. 270.
Danzer I S. 143.
ch) Görgei I S. 248.
Pf) In dem o. a. Schreiben an RspLsy bei Nobili I S. 277.