Der Ministerpräsident an den Fcldmarschall. 165
bei die Regierung im In- und Auslände in ein schiefes Licht stellenmüßte, „indem mnn darin die Absicht erblicken würde die Volksver-tretung durch die Thnt illusorisch zu machen". Endlich würden bei Wahl-bezirken von 250.000 Seelen für die untere Kammer manche der kleinernKronländer nicht mehr als einen Depntirten zu wählen haben, bei solchenvon 500.000 für die obere gar keinen. „Mit 1 auf 250.000 bekämen wirein Unterhaus von 136 Köpfen wovon beinahe immer ein Viertel fehlt;diese Vertretung von 100 Köpfen werden die Leute nie als das an-erkennen was sie sein soll, als die Vertretung von 34,000.000 Oester-reichcrn (ohne Italien). Ein Theil des Ministeriums", fügte der Minister-Präsident bei, „ist von der Ansicht daß eine so beschränkte Anzahl vonDepntirten dem Zwecke der octroyirten Verfassung widerstreben würdeso durchdrungen, daß ich es nicht für möglich erachte ihre Meinung indieser Hinsicht nmznstimmen." Er beschwor den Fcldmarschall die Sachenicht auf die Spitze zu treiben, was der Fall sein würde wenn er daraufbestehen wollte seine fernere Wirksamkeit, wie er dies letzthin aus-gesprochen, an die Verwirklichung seiner Idee einer Gesammt-Reichsvcr-tretung zu knüpfen.
Fürst Schwarzenberg ließ nichts unversucht womit er auf seinenSchwager wirken zu können hoffte. Bald nahm er die ganze Sache vonder leichten Seite: er sehe darin nichts „sehr wichtiges", obwohl auch erfür seine Person eine größere Anzahl von Depntirten wünsche alsWindisch-Grätz zugeben wolle; die größte Wichtigkeit liege darin daßetwas geschehe und daß dies sobald als möglich geschehe. „Ob indem Reichstage der frühestens in einem Jahre zusammentreten soll250 oder 450 Leute in beiden Häusern znsammensitzen halte ich nichtfür entscheidend. Wer weiß was sich bis dahin alles ergibt!" Dann wiedersuchte er dem Feldmarschall zu schmeicheln und ihn an der Gemüthsseitczu fassen. „Dein Austreten ans Deiner bisherigen Wirksamkeit wurdeeinstimmig als eine Unmöglichkeit erkannt, daher vier von den anwesen-den Ministern erklärten ihre Entlassung Sr. Majestät zu Füßen legenzu wollen." Wenn aber das Ministerium bei Gelegenheit der Octroyirungauseinandcrfallc so erhalte das ganze Werk das Ansehen einer Partei-sache: „nicht die Regierung als solche, der Kaiser selbst geräth dadurchin eine böse Lage. Wir haben beide nur unfern jungen Kaiser undOesterreich vor Augen; diese sind aber in der größten Gefahr wenn mitder Octroyirung der Verfassung die der unsicher» Gegenwart ein Ziel