Prinz Friedrich von Preußen in Frankfurt a. M. 115
mit großer Unruhe beobachtete, in Hcrmannstadt und Kronstadt cin-inarschirt seien, was allgemeines Aufsehen erregte und vielfach zum Nach-theil von Oesterreich ausgcbcutct wurde. Wohl befand sich Preußen ineiner ähnlichen Lage wie Oesterreich. Die russischen Truppen hatten dieOstgränze des Königreichs zwar nicht überschritte», allein sie standen der-selben in großen Massen so nahe — das Haupt-Quartier ihres Generalswurde gerade in dieser Zeit bis Kalisz vorgeschoben — daß sie, wenn imPosen'schen ein Fall der Noth cintrnt, dort die gleiche Rolle spielenkonnten wie in Siebenbürgen; man erinnerte sich dabei an das Wortdas -Friedrich Wilhelm zu Gngern gesprochen: „Ich werde niemals meinenDegen wider Rußland ziehen!" Doch in dieser Sache zeigte es sich beiden Erbkaiserlichen abermals wie schon so oft: was für Preußen Ent-schuldigung fand oder mit dem Stillschweigen der Duldung übergangenwurde, das galt für Oesterreich als Verbrechen. In der Thal richteteBischer von Tübingen am 1. Mürz eine Interpellation an das Reichs-Ministerium des Auswärtigen: ob dasselbe, „in Erwägung daß jenes Er-eignis zusammengcnommen mit der Anhäufung russischer Truppen an derösterreichischen Gränze ein Verhältnis Oesterreichs zu einem despotischenStaate aufdeckt, wodurch das deutsche Volksgefühl mit tiefem Unwillenund Sorge für die junge Freiheit erfüllt werden muß", gewillt sei „die-jenigen Schritte zu thun welche geeignet sind die verfassunggebende deutscheReichs-Versammlung und die deutsche Nation zu beruhigen"*). VonSeite des Reichs-Ministeriums erfolgte hieraus eine Note au den öster-reichischen Bevollmächtigten und von diesem ein Bericht an den FürstenSchwarzenberg mit dem Ersuchen um „die geeigneten Aufschlüße über dienäheren Verhältnisse" dieses Zwischenfalles.
Am 2. März hatte Schmerling eine längere Unterredung mit dembadischen Minister des Aeußern, der sich mit großer Heftigkeit gegenWürttemberg nussprach das stets feindlich gegen das Großherzogthum seiund auf dessen Schwächung speculire; Baden sei zudem als Gräuzstnatin einer gefährdeten Lage und könne eines Schutzes nicht entbehren.Schmerling entgegnete: „Diesen Schutz bieten die Besatzungen von Rastattund Ulm". Er konnte sich aber kaum einbilden Herrn von Dusch überzeugtzu haben der unverkennbar etwas anderes iin Sinne hatte und sich des-halb bei der ganzen Verhandlung auffallend befangen zeigte**). Da
«) Sten. Ber. VII S. 5ÜI7.
**) Schmer, cm Schwa. 3. März Nr. 80.
8 *