Officielle Erklärungen der deutsche» Cabinete — Neuner-Ausschuß. 107
von Bothmer das Ausbleiben einer bestimmten Erklärung mit der inseiner Heimat obwaltenden Ministerkrisis Die größte Spannungtrat ein als Schmerling an die Reihe kam sich zu äußern. Er aber sagtetrocken: „Ich habe keine Erklärung abzngeben. Das eben Mitgetheiltehabe ich mit großem Interesse vernommen und werde es meiner Regie-rung berichten. Ich zweifle nicht daß sie dadurch ebenfalls zu einerAeußerung veranlaßt werden wird." Er wies dann auf die Unvollstän-digkcit der Collectiv-Erklärnng hin, die sich nur auf zwei Abschnitte desVerfassungs-Entwurfes beziehe; es scheine ihm nicht gerathen seitens derNational-Versammlung an die zweite Lesung zu schreiten ohne das Ganzeder Regierungs-Kritik vor sich zu haben. Gagern entgegnete: in dieserHinsicht vorzugehen sei einfach Sache des Parlaments und dessen Ver-fassungs-Ausschußes.
Mittlerweile war der Neuner-Ausschuß der groß-deutschen Parteimit seinem Entwürfe einer Reichsverfassung zustande gekommen, der inhundert Exemplaren gedruckt und vertheilt wurde. Die meisten Zuge-ständnisse waren darin dem Programm Gagern gemacht, weil man dadurchhoffte einen großen Theil dieser Partei herüberzuziehen. Die Wünsche derLinken, trotz des vermeintlichen Bündnisses mit derselben über welches inanim andern Lager so viel Geschrei erhoben hatte, waren wenig berücksich-tigt. Am wenigsten Rechnung war den österreichischen Ideen getragen;ja es kamen Znmnthnngen darin vor über die man nur staunen konnteund worüber in der Monarchie, sobald sie dort bekannt wurden, dasmisgünstigste Urtheil gefüllt wurde"'). Gleichwohl meinten die Urheberdieser Vorschläge sich mit denselben in erster Linie an den Kaiserstaatwenden zu müßen, und Heckscher, Baron Sommarnga und v. Hermann ausMünchen wurden ersucht für diesen Zweck nach Wien zu reisen lim, wiees hieß, „das dortige Ministerium aus seiner Gleichgiltigkeit gegen dieNational-Versammlung heranszureißcn und sich über dessen Absichten zuvergewissern". Die drei Vertrauensmänner sollten das kaiserliche Cabinetmindestens für die wesentlichen Punkte der vom Neuncr-Ansschuße revi-dirten Verfassung zu gewinnen, zu einer Erklärung über Oesterreichskünftige Stellung in Deutschland und zu einer darauf gegründeten In-struction für seine Vertreter bei derselben zu bewegen versuchen. Schmer-ling gab ihnen, da sie als einfache Mitglieder der National-Versammlungund nicht mit amtlichem Aufträge erscheinen sollten, ein nicht-officiellesEreditiv mit, berichtete aber gleichzeitig an den Fürsten Schwarzenberg: