108 I. 8. Oesterr. Plan einer Direcwrial-Negierung sür Deutschland.
daß die Abgeordneten ans Oesterreich und im befreundeten Lager mitgrößter Spannung den positiven Vorschlägen der kaiserlichen Regierungentgegenharren*).
Es waren Tage größter Aufregung die jetzt folgten. „Alles nahmPartei wie zur wildesten Zeit der Welfen und Ghibellinc»; man mußtejeden Tag einer Katastrophe in der Pauls-Kirche gewärtig sein"**). Am26. erhitzte sich der Lüneburger Advocat Grumbrecht, dessen Roheit seinepolitischen Freunde als Biederkeit priesen, gegen die Vereinbarung mitden Regierungen; er als Hannoveraner spreche dagegen daß man die Er-klärung seiner Regierung abwarte, aber noch weniger habe man Grundauf jene der österreichischen zu horchen; die Hannoveranische Regierunghabe wenigstens „keinen Abgeordneten der National-Vcrsammlung ermordenlassen"/ noch habe sic „so liebenswürdige Bundesgenossen sich gesucht alsdie Russen sein sollen wie man sagt". Während ans der Linken und aufder Galerie über diese frechen Worte Jubel ausbrach, herrschte in denandern Bänken ebenso große Entrüstung; dreimal hatte Mühlfeld vonseinem Sitze aus den Ruf „Zur Ordnung" verlangt; aber EduardSimson fand keinen Grund dazu, worüber 46 Oesterreicher schriftlicheVerwahrung cinlegten und vom Präsidenten an die Versammlung apel-lirten. Es galt dies, wie kaum gesagt zu werden braucht, der Hindeutnngauf das Ende Blnm's; denn jene auf die Russen, deren Annäherung andie siebenbürgische Gränze eben erst bekannt wurde, klang den Einen nichtunangenehm weil sic selbst keine Rnssenfreundc waren, den Andern imGegentheil weil sie das moskovitische Schreckgespenst in dieser Zeit allge-meiner Wirrnis gar nicht ungern am ferne» Horizont aufsteigcn sahen,wobei ihre Freude allerdings wieder durch die Besorgnis getrübt wurde,das Auftreten der Russen möchte auch Frankreich reizen über seineGränzen zu marschircn. Daß die russische Politik in manchem der deutschenCabinete ihre Stimme hatte wußte mau, und daß sie da ihren Einflußnicht gegen Oesterreich geltend machen werde konnte man sich sagen. Aberauch ohne russische Einflüsterungen war das Ansehen Oesterreichsund das Vertrauen zu demselben an den Köuigshöfen in eben demGrade im Steigen, in welchem der Ungestüm und die Ungebühr einerentgegengesetzten Partei in der National-Bersammlung auf die Gleich-
*) Jürgens III S. 62—64.
**) Laube III S. 322.