Baden — Nassau — Mecklenburg.
105
sich gegen „eine bei de» königlichen Höfen gezogene Demarcations-Linie"um so entschiedener erklären, als es ja bekanntlich „seiner Zeit »nr vonder Entschließung des Kurfürsten von Baden abhing gleich anderen Kur-fürsten den Königs-Titel auzunehmen"*). Die kleineren deutschen Fürsten* und Staaten waren alle gegen die österreichischen Vorschläge. Sie wollten
allenfalls zu Gunsten eines Einzigen, aber nicht zu Gunsten von sechsFürsten zurückgesetzt werden; sie waren für Preußen, nicht ans Neigungzu diesem und Abneigung gegen Oesterreich, sondern aus Misgnnst gegenihre begünstigteren Mitstände. Zudem hatte man in der jüngsten Zeitprenßischerseits ausgestreut Oesterreich wolle die kleineren Höfe mcdiati-sircn, was bei diesen eine ungeheure Aufregung unterhielt. Rechberg hatteFrankfurt kaum verlassen, als vom Herzog von Nassau ein Schreiben andas Reichs-Ministerium einlicf daß derselbe „in der Erblichkeit der Würdedes Rcichsoberhauptes die sicherste Garantie" für die Sicherheit, für dasHeil und Gedeihen Deutschlands erblickte, 15. Februar. Die beiden Mecklen-burg erklärten sich bald darnach unumwunden für die Uebertragung der erb-lichen Oberhauptswürde an Preußen. Daß hinter alledem preußische Ein-flüsterungen steckten lag ans der Hand. Mußte es doch König Max, wie er» Nechberg vertraute, in seiner eigenen Residenz erfahren daß der preußische Ge-
sandte Herr von Bockclberg mit Gagern, ans dessen Verwendung er nachMünchen gekommen war, in fortwährend sehr vertrautem Verkehre stand, undklagte nicht minder bitter König Wilhelm über das unaufhörliche Nänkcspiclzwischen Berlin Frankfurt und London, an welchem der Prinz-Gemahl, dieLords Palmerston und Cowley, Bimsen und Stockmar gleichen Aulheil hätten!
Der Einfluß des Prinzen Albert war namentlich in den sächsischenHerzogthümern überwiegend, auf welche eben darum, wie Schmerling nachWien berichtete, für Oesterreich kaum zu zählen war. Dagegen gab erdie Hoffnung nicht auf manche von den kleineren Staaten zu gewinnen,dafern ihnen nur die Furcht vor Mediatisirung benommen würde. Indiesem Sinne sprach sich unter anderm der Bevollmächtigte für KurhessenSylvester Jordan ans; er war aus Tyrol und hatte, trotz jnhrzehent-> laugen Weckens und Wirkens im Ausland, seine österreichischen Neigungen
nie völlig cingebüßt**).
*) Instruction an den großherzoglich badischen Bevollmächtigten bei der deutschenCeutral-Gewalt s. Bekk Bewegung in Baden S. 256—259; auch abgedruckt in derWr. Ztg. 1849 Nr. 49 vom 27. Februar S. 570.
**) Schmer, an Schwa. 15. Februar „Bertraulich" ck.