102 I. 7. Die „Großdeutschen" und die „Kleindeutschen".
ligen, und bestimmte dafür den k. k. Stabs-Auditor Emanuel Korners*).Aber damit war es nach Schmerliug's wohlbegründeter Meinung nichtgenug, und er war umsomehr in seinem Rechte auf ein klares und ent-schiedenes Hervortreten seiner Regierung zu dringen, als die österreichischenSympathien in Frankfurt noch immer vorherrschend waren, trotz allermonatelang fortgesetzten Bemühungen von preußischer Seite, ja zu einemgroßen Theile gerade wegen dieser nur zu aufdringlichen Bemühungen^).Als Buß am 2ö. Januar geäußert hatte, er sei nicht gegen einen erblichenKaiser, nur müße es der österreichische sein, war er von den Preußen undderen Anhang in der heftigsten Weise „zur Sache" gerufen worden weilsie die weitere Ausführung dieses Satzes fürchteten. Viele Nicht-Oester-reicher hörte man sagen: sie stimmten nur darum für das erbliche Kaiser-thum weil sie sich ein solches mit der preußischen Krone verbunden garnicht denken könnten, und einzelne riefen geradezu: „Entweder das alteösterreichische Erbkaiserthnm oder den repnblicanischen Präsidenten" ^).Was die deutsche Bevölkerung betraf so besaß Oesterreich in den Rhein-landen, in Westphalen, im Hannoverschen viele und starke Sympathien,die ausgesprochenste» allerdings in Süd-Deutschland**).
Wie weit König und Minister, die erste und zweite Kammer in ihrerAuffassung des Verhältnisses von Bayern zur deutschen Reichsgewalt aus-einander geheil mochten, in der Wahl zwischen Oesterreich lind Preußenwaren sie seit langem eines Sinnes, und ihr ganzes Volk dazu. Daranhatte sich selbst in den letzten Wochen, wo die radikalen Elemente, mitunter dem Eindrücke der Kammer-Verhandlungen in München, wohl auchjener in Kremsier, um sich zu greifen begannen, nichts geändert. Inderselben Sitzung vom 7. Februar, wo die zweite bayerische Kammer derKrone die Zumuthung gestellt hatte sich unbedingt den Frankfurter Be-schlüßen zu unterwerfen, hatten die Abgeordneten Müller und Dr. Kolbdie Kammer aufgefordert zu erklären: erstens daß sie kein preußischesErbkaiserthnm, kein halbes Deutschland sondern mit Oesterreich ein ganzesgroßes freies einiges und mächtiges Deutschland und ein freies und mäch-tiges Bayern darin wolle und zweitens daß, falls die österreichischenAbgeordneten, „was der Himmel verhüte", ans was immer für Gründenaus der Frankfurter Versammlung zu scheiden gezwungen wären, letzterenicht mehr als Vertreterin der deutschen Gesammt-Nation zu gelteil lind
2) Schwa, an Schmer. 9. bis 17. Februar.
**) Vgl. Bd. IV 1 S. 83 s.