86 I. 6. Verhandlungen d. Wiener Cabinets in, d. deutschen Königreichen.
sei, und verlangte von seiner Regierung in entschiedener Weise diesenGedanken zu dem ihrigen zu machen. Als nun am 7. Februar die radicaleMehrheit der zweiten Kammer, 72 gegen 62, die unbedingte Annahmeder „Grundrechte des deutschen Volkes" zum Beschlüße erhobt), reichtedas Ministerium, ebenso wenig gewillt dem Könige zu widerstreben alsentschlossen sich den Abgeordneten entgegcnznstcllen, seine Entlassung ein,8. Februar. Am Abend des 9. veranstaltete der mvnnrchisch-constitntio-nelle Verein einen Fnckclzug zur Huldigung des Königs und zu Ehrender Rechten der Kammer, der großartig atisfiel. Einige Tage später ver-suchte die Linke eine Gegcn-Demvnstration ans dem Maskenball derKünstler zu welchem die königliche Familie ihr Erscheinen zngesagt hatte.Es war ein van sämmtlichcn Künstlern veranstaltetes Melodram dasdie seit dem März 1848 so vielfach ausgenntztc Barbarossa-Sage zumVorwurf hatte und mit den Worten endete:
Der Kaisergeist schlief einst in deutschen Landen,
Des Kaisers Herrlichkeit sic ist erstanden.
Die Musik fiel rauschend ein, die mitwirkcnden Künstler klatschten undjubelten dabei; allein im unbetheiligten Publicum blieb es stumm, wennnicht höhnische Bemerkungen zu hören waren: „Man sieht sehr wohldaß dieses Gedicht schon vor einigen Monaten geschrieben worden."
In Württemberg standen die Dinge ungleich schwieriger als inBayern. König Wilhelm I. hatte in seiner langen Regierung viel fürsein Volk gethan, die Steuern erleichtert, freiere politische Bewegung ge-stattet; das Land war blühend, Ackerbali Handel und Gewerbe standenim Flor, und das wußte man ihm Dank. Die Bevölkerung war einerpreußischen Hegemonie entschieden abgeneigt, alle Sympathien, alle Er-innerungen neigten zu Oesterreich; aber da waren es wieder die con-fcssionalcn Verhältnisse, der Antagonismus des protestantischen Elementsgegen das katholische, was den Drängern für das preußische Erbkaiscr-thlim eine gefährliche Handhabe bat, wenn nicht gar in dem Wirrnis dieserbeiden entgegengesetzten Strömungen die Radikalen, die überhaupt keinfürstliches Rcichsvberhaupt wallten, zuletzt das Oberwasser gewannen.Denn die rcpublicanischen Ideen hatten in der letzten Zeit vielfachenEingang gefunden, jede Stadt, jedes größere Dorf hatte sein republika-nisches Camits, das ganze Land war republikanisch unterwühlt Ander Spitze der Geschäfte stand Friedrich von Römer, früher das Haupt