78 I. 6. Verhandlungen d. Wiener Cabinets m. d. deutschen Königreichen.
war das willkommen und löblich; geschah dasselbe von Wien und Olmüzans so war das ein Eingriff in die Souverainctät des Parlaments, indie Unabhängigkeit seiner Beschlüße?°). Die Tonangeber in Berlin warengleich jenen in Olmüz überzeugt daß es, ohne die Ruthe zu zeigen, kaumgelingen werde die Frankfurter Gelehrten zur Vernunft zu bringen.Fragten sic nun darum beim kaiserlichen Hofe an ob derselbe Truppenzur Verfügung habe und kam von dort, wo man nach zwei Seiten hingleichzeitig im Streite lag, verneinende Antwort, so warfen sich jene indie Brust und hielten der Unmacht Oesterreichs zum Schutze von Deutsch-land die Macht und volle Bereitwilligkeit Preußens entgegen^). Gingaber umgekehrt der Antrag Truppen in- der Nähe von Frankfurt zusammen-znzichcn von Olmüz aus, so dennncirten dieselben Leute am geeignetenOrte den Verrath den Oesterreich gegen die deutsche National-Versnmm-lung spinne.
Männern solchen Schlages verdankte jenes Rundschreiben vom 23. Ja-nuar seinen Ursprung, zu dessen Veröffentlichung Friedrich Wilhelm IV.nur nach langem Zaudern seine Zustimmung gegeben hatte*). Es wardarin in gewundenen und geschraubten Sätzen scheinbar alle möglicheRücksicht für Oesterreich getragen und die Znmnthung eines preußischenErbkaiscrthnms abgelehnt; allein es war für Eingeweihte dennoch zwischenden Zeilen herauszulesen, daß man cs nicht ungern sähe wenn jene Zu-muthnng gestellt würde. Es war ein verschämter Blick nach dem was imAugenblicke noch nicht Fleisch und Blut hatte, was aber, wenn die Parteider Frankfurter Erbkniscrlichen de» ihr hingeworfenen Köder anbiß, dem-nächst Fleisch und Blut bekommen konnte und sollte. Der Schwerpunktdes Rundschreibens aber, sowohl im Sinne der Urheber desselben als inden Augen ihres Anhanges in Frankfurt und an den kleinen Höfen, lagdarin daß Preußen Oesterreich beiseite geschoben und sich allein als solcheshingestellt hatte das in der Vcrfassnngsfrage die Richtung zu geben ge-sonnen sei. Preußen hatte mit seinem Rundschreiben die Initiative ineinem Zeitpunkte allgemeiner Ungeduld und Spannung ergriffen und sichdadurch in den Augen seiner Anhänger, aber auch der Schwankenden, indas günstigste Licht gestellt, während auf Oesterreich der falsche Scheinfiel, cS sei ihm gar nicht darum zu thun die deutsche Sache zu fördern,es sei ihm vielmehr daran gelegen daß nichts rechtes zustande komme.
») Bd. iv i S. 109 f.