Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 3 (1886) Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Schüße auf Wachposten und einzelne Soldaten.

11

von frevelhaften Ansbrüchen gegen die Person des Monarchen, gegendas Militair nnd die waltenden Behörden vor. Hausierer mit Dar-stellungen aus der Revolutionszeit wurden betreten, Leute mit sedern-gcschmückten Nationalgardekappen zeigten sich auf offener Straße. Auchandere Acte sträflichen Muthwillens, wie das Abbrcnnen von Raketen,von gefüllten Granaten u. dgl., kamen vor, nnd das empörendste vonallem, Angriffe auf vereinsamte Schildwachen, deren Thätern man ver-gebens auf die Spur zu kommen suchte, ließen die Militair-Bchördesowie deil besser gesinnteil Theil der Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen.In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar erlitt in Neu-Lerchenfeldein Soldat durch einen meuchlerischen Schuß eine Verwundung, die einpaar Tage später einen tödtlichen Ausgang hatte. In der Dunkelheitzwischen 7 und 8 Uhr am 24. schloß sich in der Nähe des Schwarz-spanier-Hauses dem in die Alscr-Caserne zurückkehrcnden Soldaten FranzKlubant vom Landwehr-Bataillon Wocher ein Mann an, der mit ihm ingebrochenem Deutsch ein Gespräch anknüpfte; als sich ihre Wege trenntenfiel hinter dem Soldaten ein Schuß der ihn in den rechten Unterschenkeltraf; der Fuß mußte ihm abgenommcu werden, am dritten Tage er-folgte der Tod. Es war dies der dritte Fall in einem und demselbenBataillon, dessen Leute dadurch in eine kaum zu bändigende Wuth ver-setzt wurden; die folgende Nacht stand die ganze Alser-Caserne unterWaffen, wo es nur der aufopfernden Anstrengung der Officierc, an derSpitze des Generals Frauck, gelang einen Losbruch der erbitterten Mann-schaft hintanzuhalten"). Aber stets wieder ereigneten sich Vorfälle solchheimtückischen Charakters, nnd weil dieselben den Beweis lieferten daßallen Befehlen, allen Mahnungen und wohlmeinenden Vorstellungen zumTrotz noch immer Waffen und Schießbcdarf in Bereitschaft lagen, beschloßder Stadt-Gouverneur das wirkungslos gebliebene Wort zur abschrecken-den That werden zu lassen. Am 29. Februar war einvacirender"Tischlcrgesclle Alois Hüsiuer aus Aschaffenbnrg mit seinem Unterstands-geber in Streit gerathen, hatte einen zweischneidigen Stockdcgen hcrvor-geholt und war mit demselben auf den Miethshcrrn losgcgangcu, dersich erst nach langem Ringen und unter Mithilfe eines herbeieileudcnNachbarn des tödtlichen Angriffes erwehren konnte. Doch nicht um diesesAttentates willen wurde Hüsiuer verurthcilt, obwohl erwiesen wurde daßer einige Zeit früher die abgebrochene Spitze des Mordwcrkzcuges neuzugespitzt und geschliffen hatte: das einhellige Verbiet des Militair-Ge-