Achtes Blich, Siebentes Kapitel.
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zwar wohl all? Harmynieen anwenden, aber nicht alle auf dieselbe Artamyenden darf. Vielmehr zum erziehenden und bildenden Unterrichtnur die vorzugsweise ethischen, zum bloßen Anhoren des Vortragesanderer dagegen auch die praktischen^ und die Enthusiasmus her-vorrufenden. Der Affekt nämlich, der in einigen Gemütern mit großerGewalt auftritt, der ist von Natur in allen Gemütern vorhanden,und nur das Mehr oder Minder macht einen Unterschied, z. B. inMitleid, Furcht und ebenso Enthusiasmus. --- 5. Denn auch dieserBewegung sind manche in einem übermäßigen Grade unterworfen, undlassen solche Menschen nun die Gewalt jener heiligen Gesänge, welchedie Seele in Verzückung setzen, auf sich einwirken, so haben wir denAnblick von Personen, die sich gleichsam einer ärztlichen Kur und Ka-tharsis 5 unterzogen haben und dadurch in den Normalzustand zurück-versetzt worden sind. — 6. Die nämliche Wirkung müssen nun auch
Gesänge nicht mehr so auffallend. S, Leonhard Spengel, Ein Bei-trag zur Poetik des Aristoteles. Aus den Abhandlungen der K. Bayr.Akademie der Wissenschaften ILl,, IX. Bd. 1. Abt. München 1858.
4. Zum thätlichcn Handeln anregenden, In den Problemen XIX,48 heißt „praktisch" so viel als tauglich zu Alarm und Marsch gegenden Feind,
5. Der Ausdruck Katharsis (/^Oapme), Reinigung, ist hier wie vor-hin nur allgemein bestimmt, und in der betreffenden berühmten Stelleder Poetik ist die versprochene nähere Erklärung, wohl durch die Schuld derHerausgeber des Werks, ausgefallen. Der Ansdruck Katharsis hat zunächsteine rein medizinische und pathologische Bedeutung und besagt soviel als medizinische Ableitung, erleichternde Entladung, wie durch Ab-führnngsniittel, Fontanelle u. dgl. Er hat auch im Munde des Aristoteles,der als Sohn des Leibarztes am makedonischen Hofe in seiner Jugendwahrscheinlich die Heilkunst zeitweilig selbst au.sübte, nichts Befremdendes.Des Philosophen Vertrautheit aber mit der praktischen Heilkunst wirddurch manche Stellen und Ausdrücke in seinen Schriften (Politik III, 6;10; II; VII, 8; 12; Physik II, 8s angedeutet. Zudem bezeichnet derAusdruck „kathartische Mittel" (-/.-rllagrma) alle abführenden Speisen undMedizinen, und diese Kathartika sind den durchschlagenden, den dia-choretischen (Si-r/mpTMxä) Mitteln synonym, wie man sich aus derSchrift des Arzte« Hippo'krates über die Diät II, 7 selbst überzeugenkann. Aristoteles hat nun den Ansdruck Katharsis von demmedizinischen Gebiete gnf das ästhetische übertragen undzu einem eigenen ästhetischen Kunstausdruck gestempelt. Diese