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Aristoteles, Politik.
diejenigen empfinden, welche zu den Affekten des Mitleids und derFurcht neigen, und ferner ebenso alle, welche zu irgend einem Affektebesonders disponiert sind, die übrigen aber, insoweit etwas von solchen
Entdeckung verdankt die Wissenschaft dem gelehrten Philosophen I. Ber-uays. Derselbe ließ sich nun aber, obschon durch die geistvollsten undgelehrtesten Vorgänger gewarnt, zu dem Irrtum verleiten, diese Stelleder Politik der Erklärung jener berühmtesten in der Poetik, wo Aristotelesdie Definition der Tragödie gibt, zu Grunde zu legen. Erbeging den Irrtum, den hier nur einer bestimmten, einzelnen Art vonMusik beigegebenen Wirkungsausdruck „Katharsis" zu generalisieren, ihnauf die Wirkung auch der dramatischen Dichtung, der Tragödie, zu über-tragen und so der Wirkung der Tragödie, die nach Aristoteles' oft undklar ausgesprochenen Absicht von der erhabensten, sittlichsten Art sein soll,nur jene in der Poetik erwähnte Katharsis zuzuerkennen. (Vgl. JakobBernays, Grundzüge der verlorenen Abhandlung des Aristoteles überdie Wirkung der Tragödie, BreSlau 1857.) Danach wäre nun der Sinnjener ewig denkwürdigen Stelle der Poetik dieser: die Menschen, welchedas Unglück haben, allzusehr den Affekten des Mitleids und der Furchtunterworfen zu sein, werden gerade so mit Tragödien behandelt, wie dieEkstatischen mit Musik. Sie erhalten durch die Tragödie Gelegenheitihre habituellen Leidenschaften, ihre vorwaltenden Gemütsaffektionen, diesie in das Theater mitbringen, auszulassen, zu „entladen", um sich dadurchzu erleichtern. Es wird ihnen eine Ableitung des Hanges zu Furcht undMitleid zu teil, Bernays glaubt durch diese nicht würdige und nichtwahre Erklärung die „unklare sogenannte Reinigung der Leidenschaftendurch die Tragödie für, immer beseitigt" und den Aristoteles von demIrrtum der modernen Ästhetik befreit zu haben, die in seiner berühmtenDefinition der Tragödie eine hohe sittliche Wirkung, im Anschluß freilichan das ganze Altertum, immer erkannt hat. Bernays ist durch die vorhingenannten Schriften von A. Stahr und L. Spengel gründlich widerlegtworden. Den Sinn jener berühmten Definition in der Poetik aber, mitwelcher sich die edelsten Denker und Dichter unserer Nation beschäftigthaben und die wie ein der ganzen Menschheit angehöriges unzerstör-bares Denkmal in alle Zukunft hinausragen wird, ist dieser: Aristotelesschreibt der Tragödie eine kathartische Wirkung zu. Sieläuft schließlich darauf hinaus, daß der zu bildende Mensch,wie der griechische Denker sich in seiner erhabenen Einfaltausdrückt, durch die Tragödie, d. h. durch das fort und fortwiederholte Anschauen derselben (durch die Gewöhnung) zudem Vermögen geführt wird, ögllül; iXeskv «ai ögllL? PoMall«!,d. h. nur das wahrhaft Furchtbare zu fürchten und nur demwahrhaft Thränenwerten sein Mitleid zu schenken. Der