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4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
447
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7. Dazu kommt noch ein Umstand. ' In den übrigen Gegen-° ,ständen unserer sinnlichen Wahrnehmung, z. B. in dem, was man fühlen

und schmecken kann, sind dergleichen Ähnlichkeiten mit dem Sittlichennicht enthalten; und selbst in dem durch das Gesicht Wahrnehmbarensind es nur wenig. Denn das.sind Gestalten, und als solche sindsie nur in geringem Grade und nicht bei allen Gegenstand sittlichenEmpfindens. Auch sind das nicht wirkliche Darstellungen der sitt-lichen Zustände, sondern die sich bildenden Gestalten und Farben sindvielmehr nur Zeichen des Sittlichen, wie sie auch allerdings äußer-. lich am Leibe im Zustande des Affektes angetroffen werden,. Indessen' kommt hier doch viel auf den Gegenstand an, der zur Anschauungvorgeführt wird. Die Jugend darf nicht die Werke eines Pau'sonanschauen, sondern die des Polygnostos? oder sonst eines. Malersund Bildhauers, der seinen Charakteren einen sittlichen Zug zu gebenversteht.

8. Dagegen sind in den Melodieen selbst schon Nachahmungendes Sittlichen enthalten. Und dies ist einleuchtend. Denn schon dieNatur der Tonarten ist so verschieden, daß man beim Anhören ver-schieden gestimmt wird und uns bei der einen nicht so zu Mute ist,wie bei der andern; sondern bei einigen, wie bei der mixoly'dischenbefinden wir uns mehr in einer traurigen und gepreßten, bei denundern mehr in einer weichen und aufgelösten Stimmung,wie z. B. bei

.ec den-üppigenlTonarten, während eine andere uns vorzugsweise in eine

' teils -selten/ teils getrübt. -Die Kunst ist ,aber immer zur Stelle und ihr

- Wesen ist rein. Sie ist daher die beste. Übnngövorschule für unsere sitt-' Uiche Bildung und Läuterung/ Man/sicht hier in Aristoteles den Vor-läufer unseres Schiller/ohne daß dieser die-Politik des Stagiri'ten je

! gelesen hätte.

- 7. Die berühmten Maler Pauson von Ephesus und Polygnotos von

Tha-sos" blühten kurz vor Aristoteles'Zeit. In der Poetik unseres Autors,

- Kap. 2--wird der CharaktdrihrerDarstellungen-in der Kürze so-bezeichnet:PolygnotdS bildet Ideals,- Pauson Karikaturen, Di ony'sius Portraits.

" <Vgl. die- Anmerkungen von Ad. Stahr zür Übersetzung der Aristoteli-ü-scheU -Poetik S. 71 und Kapp a. a. O. S. 187190.) Aristoteles

-konnte- als Staatspädagog der Jugend--nur die Anschauung solcherWerke gestatten,- welche die-Formen der Wirklichkeit idealisiert wieder-geben und daher nicht falsch aufgefaßt werden! können.