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4 (1895) Politik
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Aristoteles, Politik.

nach'-dem Eingeständnis aller die Seele mit Begeisterung erfüllen.Die Begeisterung aber ist ein Affekt des Sittlichen in der Seele. Ja,schon das bloße Vernehmen nachahmender Darstellung auf der Bühneohne Rhythmen und Musikbegleitung erzeugt ein gleichstimmigesGefühl in aller Herzen? Da es nun eine accidentelle Eigenschaftder Musik ist, zu den Annehmlichkeiten zu gehören, die Tugend aberdarin besteht, sich auf die rechte Art zu freuen, zu lieben und zuhassen, so muß man offenbar nichts so eifrig durch Unterricht undGewöhnung ausbilden, als das richtige Urteil über und die Freudean guten Sitten und schönen Handlungen.

6. Nun liegen aber in den Rhythmen und Melodieen Ähnlich-keitsausdrücke, welche dem wahren Wesen menschlicher Gefühle undEigenschaften ganz nahe kommen und somit dem Zorne, der Sanft-mut, sowie der Tapferkeit und Besonnenheit, wie ihren Gegenteilennebst den andern ethischen Eigenschaften entsprechen. Dies bezeugendie Thatsachen. Wir hören dieseLieder und erleiden eine Veränderungunserer Gemütsstimmung. Die Gewöhnung aber, sich an den musika-lischen Abbildern der Wirklichkeit zu erfreuen oder zu betrüben,wird bei der nahen Verwandtschaft von Abbild und Wirklichkeit unsbestimmen, auch bei Anlässen, welche sich wirklich ereignen, gleicheEmpfindungen zu haben. Wer z. B. bei dem Anblick des Bildeseiner Person sich lediglich an der schönen Gestalt erfreute, dem wirdauch der Anblick der Person selbst, deren Bild er betrachtete, an-genehm sein?

Mi'nos S. 318 8, daß noch einige Bruchstücke von Liedern unter demNamen des Olympus mit ihren durchaus orgia'stischen alten Melodieenbekannt waren. Es waren wohl die einzigen Überreste der alten Musik'in jener Zeit. S. Volkmann zu PlutarchS Schrift von der Musik S.83 und 84 und die Ausleger zu Platons Gastmahl S. 215.

5. Anspielung auf den Vortrag epischer Dichtungen durch Rhapsodenohne Musikbegleitung. Vgl. Ed. Müller, Geschichte der Theorie derKunst bei den Alten, T. 2, S. 346 ffi; Biese II, 563.

6. In diesem Umstande liegt 'nach Aristoteles das Bildende undLauternde der Musik und der anderen Künste. Die in uns liegende sitt-liche Kraft bedarf der Übung. Diese Übung geht nicht so gut vor sich, wennwir sic an den Vorkommnissen der Wirklichkeit vornehmen; denn diese sind