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4 (1895) Politik
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Aristoteles, Politik.

gemäßigte, ernstgefaßte Stimmung versetzt, welches von allen Ton-arten bekanntlich allein die dorische^ bewirkt, wogegen die phrygischezur Begeisterung stimmt.

9. Dies sind nämlich alles ganz richtige Bestimmungen der-jenigen, welche diesen Teil der Erziehung wissenschaftlich behandelthaben; denn die Thatsachen der Erfahrung leisten ihnen für dieRichtigkeit derselben Gewähr. Ebenso verhält es sich auch mit denRhythmen. Die einen haben mehr den Charakter der Ruhe, die an-dern den der Beweglichkeit, und von den letzteren haben wieder dieBewegungen mancher etwas Roh-Übertriebenes, andere etwas Edel-Anständiges. Aus allem diesen ergibt sich nun, daß die Musik dasVermögen besitzt, der Seele eine gewisse sittliche Beschaffenheit zugeben. Vermag sie dies aber, so ist klar, daß man die Zugend zuihr anleiten und sie darin unterrichten muß.

10. Es paßt aber der Unterricht in der Musik auch für die Naturdieser Altersstufe. Denn die Jugend hat, eben wegen ihrer Alters-stufe, freiwillig bei nichts Reizlosem Ausdauer, die Musik aber gehörtihrer Natur nach zu dem Reizvollen. Überhaupt scheint eine ArtVerwandtschaft zwischen der Seele und den Harmonien:" und Rhyth-

8. Uber den schwierigen Gegenstand der Tonarten der alten Musikhandelt ausführlich Böckh in seinen Bemerkungen zum Pindar Bd. I,S. 203269, über die dorische Tonart Otto Müller, Dorier II,318 fgd. (Vgl. auch Roßbach-Westphal, Theorie der musischen Künsteder Hellenen.) Die letztere erhielt ihren Namen von ihrer Ausbildung inden alten dorischen Landen, die zugleich die alten Wohnstätten der Musikwaren, in Kreta, Sparta, Si'kpon, Delphi. Hier sei aus dem genanntenSchriftsteller noch die betreffende Bemerkung mitgeteilt, daß die Altendas Ethische in der Musik unendlich bestimmter zu fassen verstanden, alses unserer ins Unendliche und Formlose verschwimmenden Tonkunstmöglich ist. Sie maßen der dorischen Tonart z. B. etwas Festes, Ernstesund Männliches bei, geeignet Ausdauer zu geben zur Bestehung großerGefahren und Mühseligkeiten, zugleich das Gemüt zu stählen und zustärken gegen innerlichen Sturm; sie fanden in ihr feierliche Hoheit undeinfache Großartigkeit, sich hinneigend nach der Seite des Strengen undHarten und entgegenstehend dem Unstäten, Leidenschaftlichen, Schwärme-rischen: alles Ausdrücke, die fast ebensogut die Religion, die Kunst, dieSitte der Dorier zu bezeichnen gebraucht werden konnten.

9. D. i. Tonarten.