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Aristoteles, Politik.
Fünftes Kapitel.
Die erste Frage ist nun diese: Soll die Musik ein Zweig derJugendbildung sein oder nicht und welches von den drei in Fragekommenden Stücken vermag sie zu gewähren, Bildung, Spiel oderedle Unterhaltung? Am vernünftigsten ist es, sie zu allen zu rechnen;auch scheint sie an allen teil zu haben; denn das Spiel dient zur Er-holung, die Erholung aber ist notwendig angenehm, — sie ist nämlicheine Art von Arzenei gegen das durch die Anstrengungen erzeugteüble Befinden —; die Unterhaltung in der Muße endlich muß, wiejeder eingesteht, nicht allein das Schöne sondern auch das Vergnügenenthalten, und erst in der Vereinigung dieser beiden besteht die Glück-seligkeit. Nun aber halten wir alle die Musik für ein sehr großesVergnügen, Instrumentalmusik so gut wie Vokalmusik.
2. Sagt ja doch auch Musä'uZi, es sei:
„Gesang der Sterblichen süßestes Labsal."
Daher ruft man sie denn auch in geselligen Kreisen und Unter-haltungen mit Recht herbei, weil sie das Herz erfreut. Schon vondieser Seite aus betrachtet, dürfte man behaupten, daß die Jugenddarin unterrichtet werden müsse; denn alle unschädlichen Ver-gnügungen sind nicht bloß dem Zwecke des menschlichen Lebens an-gemessen, sondern gewähren auch Erholung. Da es nun dem Menschennur selten zuteil wird, den höchsten Zweck seines Daseins zu erfüllen^,er dagegen oft der Erholung bedarf und zum Spiele greift, nicht umeines darüber hinausliegenden Zweckes, sondern eben um des bloßen
1. Uralt athenischer Hymnendichter und Schüler des O'rpheus ge-nannt, dessen Grab man in Athen auf dem Musenhngel am Jli'ssoszeigte. Siehe Pausanias I, 25,8; IIO, 7, 2 (Schubart). SeineHymnen sang man zu Athen an Festen der Deme'ter.
2. Welches dieser eigentliche und höchste Endzweck (riXo?) sei, lehrtAristoteles in den von Biese (Philosophie des Aristoteles T. I,S. 5l>4 ,ff.) znsammengetragenen Stellen. Es ist der höchste Genuß imreinen Äther des Vernunftlebens.