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4 (1895) Politik
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Aristoteles, Politik.

Drittes Kapitel.

Man wird also wohl anerkennen, daß es eine Jugendbildunggibt, die man seinen Kindern angedeihen läßt, nicht weil sie nützlichoder notwendig, sondern weil sie eines Freien würdig und etwasSchönes ist. Ob zu derselben der Unterricht in einem Gegenständeoder in mehreren gehöre und welches diese seien, dies soll, sowie dieLehrmethode seine Erwähnung später finden. Jetzt ist aus dem, waswir vorläufig beigebracht, schon der Vorteil erwachsen, daß wir fürdie hervorgebrachten Unterrichtsgegenstände auch bei den Alten schonein Zeugnis haben; die Musik nämlich ist ein Beleg dazu. Wir fügenhinzu, daß, wenn man den Kindern auch nützliche Kenntnisse bei-bringen soll, dies bei einigen, wie -z. B. Lesen und Schreiben, dochkeineswegs ihres speziellen Nutzens halber zu geschehen hat, sondernauch weil durch sie das Erwerben vieler andern Wissenschaften mög-lich wird. 2. Dasselbe gilt vom Zeichnen. Man erlernt es nichtsowohl deshalb, um bei eigenen Käufen keine Fehler zu begehen undsich beim Kauf und Verkauf von Geräten und Kunstsachen wicht be-trügen zu lassen, als vielmehr deshalb, weil diese Kunst den Blickfür körperliche Schönheit schärft? Überall aber nach dein Nutzenzu fragen, geziemt am wenigsten hochsinnigen undfreien Menschen?

Es ist-einleuchtend, daß in der Erziehung die Unterweisung.durchGewöhnung das erste ist, worauf die Unterweisung durch Lehren erst-folgt; desgleichen muß erst der Körper und dann der Verstand ge-bildet werde». Hieraus folgt, daß man die Kinder zunächst derGymnastik und der Ringekunst zu übergeben hat; jene gibt dem

1. Bgl. Alexander Kapp, Aristoteles' Staatspädagogik, S. 187 ff.Dieser Unterricht im Zeichnen für die freigeborene Jugend war erst kurzeZeit vor Aristoteles aufgekommen, wie es scheint zuerst in der berühmtenKunststadt Si'kyon durch den höchst gebildeten Maler Pa'mphilos.

2. Diese ernste, gegen das gemeine Nützlichkeitsprinzip gerichtete Er-klärung ist hinreichend, den Aristoteles vor dem Vorwurf zu schützen, alsfei er einem Pla'ton gegenüber doch nur ein Utilitarier und scharfsinnigerPositivist.