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4 (1895) Politik
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Aristoteles, Politik.

Erziehung, weil die menschliche Natur, wie schon oft gesagt, nicht bloßauf eine richtige Anwendung unserer Thätigkeit, sonder» auch auf eineschöne Ausfüllung unserer Muße Bedacht nimmt. Ist doch diese Muße,wie schon oft gesagt, Grund und Ziel aller Geschäftigkeit?

4. Wenn nun beide, Geschäftigkeit sowohl wie Muße, notwendigsind, die letztere aber der ersteren weit vorzuziehen ist, so entsteht garsehr die Frage, womit man die Muße ausfüllen soll. Das Spielkann es offenbar nicht sein; denn sonst wäre ja das Spiel notwendigder letzte Lebenszweck für uns? Wenn das aber unmöglich ist, so istdas Spiel vielmehr in der Arbeit selbst und nicht in der Muße vor-zunehmen ; denn der Arbeitende bedarf der Erholung, und das Spielist der Erholung wegen da, da mit der Arbeit Mühe und Anstrengungverbunden ist. Man muß daher, wenn man ein Spiel vornimmt, dierichtigen Zeitpunkte der Anwendung wohl abpassen und es so an-wenden, wie man eine Arzenei nimmt. Eine derartige Bewegungder Seele ist Losspannung und wegen des damit verbundenen Ver-gnügens Erholung.

5. Die Muße dagegen enthält bekanntlich schon an sich dasVergnügen, die Glückseligkeit und den Genuß eines seligen Lebens,also Genüsse, die nicht den Beschäftigten, sondern den in der MußeLebenden zufallen. Der Beschäftigte ist geschäftig für ein gewissesZiel, das er noch nicht erreicht hat. Die Glückseligkeit aber ist einZiel, welches ein jeder nicht mit Unlust, sondern mit Lust verbundendenkt. Freilich ist diese Lust nicht für alle ein und dieselbe, sondernes wählt sich jeder seine Freuden nach seiner Individualität und Be-schaffenheit verschieden; aber der beste Mensch wählt die besten undtrachtet nach denjenigen, welche aus der reinsten und edelsten Quellefließen. Aus diesem Unterschiede erhellt die Notwendigkeit jenerForderung, daß man auch für den Genuß der Muße manches zulernen habe, daß für ihn eine gewisse Bildung erforderlich ist; undman begreift ebenso leicht, daß die hierher gehörenden Bildungsmittelmitsamtdem Unterrichte sich selbstZwecksind, während die zurGeschäfts-ihätigkeit vorbereitenden als notwendige anderen Zwecken dienen.

1. Vgl. Fr. Biese, Die Philosophie des Aristoteles, T. I, S.549551.

2. Vgl. Nikoma'chische Ethik X, 6.