Achtes Buch. Zweites Kapitel.
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Zweites Kapitel.
Hier ist nun soviel gewiß, daß unter den nützlichen Dingen die-jenigen gelehrt werden müssen, welche notwendig sind, aber auchdiese nicht alle ohne Ausnahme. Da die Beschäftigungen zerfallen insolche, die einem Freien wohl anstehen, und in gemeine Arbeit, sowird die Zugend aus dem Gesamtgebicte nützlicher Thätigkeit nur die-jenige üben, die sie nicht herabwürdigt. Für herabwürdigend aber istjede Thätigkeit, Kunst und Wissenschaft zu achten, welche den Leib, dieSeele oder den Verstand freier Menschen zur Anwendung und Aus-übung der Tugend untüchtig macht. Deshalb nennen wir auch alledergleichen Kunstthätigkeiten, welche den Körperzustand verschlechtern,„gemeine" (banausische), sowie alle Lohnarbeit, denn sie erzeugt eineruhelose und niedrige Sinnesart.
2. Auch von den freien Künsten und Wissenschaften gilt dasselbe.Werden einige derselben bis auf einen gewissen Punkt betrieben, soist das eines Freigebornen nicht unwürdig; allzu emsig aber sich da-rauf zu legen, um es darin zur Meisterschaft zu bringen, führt dieerwähnten Nachteile mit sich. Einen großen Unterschied macht es fernerauch, zu welchem Zwecke jemand« etwas thut oder lernt. Treibt er esum seiner selbst oder um der Freunde willen oder hat er sonst einender Tugend gemäßen Zweck dabei im Auge, so ist seine Thätigkeit
« eines Freien nicht unwürdig; thut er dagegen dieselbe Arbeit fürFremde, so dürfte seine Thätigkeit oft für die eines Lohnarbeiters> und Sklaven angesehen werden. - Die jetzt gewöhnlichen Unterrichts-gegenstände nun haben, wie früher bemerkt ward- einen zweifelhaften. Charakter'und entscheiden die vorliegende Frage nicht.
3. Der heutige Zugendunterricht umfaßt etwa folgende vierKap.r.. Gegenstände: Grammallik, Gpmna'stik, Musik und hier und da auch °-Zeichnen; die Grammatik und dasZeichncn als nützlich für das Leben
und vielfach zur Anwendung kommend, die Gpmnastik als geeignet denmännlichen Mut auszubilden. Was die Musik anlangt, so werdenüber ihre Nützlichkeit schon Zweifel erhoben; denn die meisten treibensie heute nur zum Vergnügen. Die Alten hingegen rechneten sie zur
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