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4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
434
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Aristoteles, Politik.

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und ihnen einen besonderen Unterricht, der ihm eben gut dünkt, er-teilen läßt. Was aber zur Gemeinschaft gehört, muß auch in Ge-meinschaft geübt werden, und es liegt ein großer Irrtum in derVorstellung, daß jeder Bürger nur sich selbst angehöre vielmehrgehören sie alle dem Staate an, dessen wesentliche Teile sie sind, unddie auf jeden Teil verwendete Sorgfalt soll naturgemäß die Sorgfaltfür das Ganze bezwecken.

3. Auch in diesem Punkte verdienen die Lakedämo'nier alles Lob..Die Jugend wird bei ihnen auf das sorgfältigste erzogen, und die Er-ziehung ist eine allgemeine Angelegenheit. Daß also die Jugend-erziehung ein Gegenstand der Gesetzgebung und daß sie gemeinsamsein müsse, leuchtet ein.

Was ist nun die Jugenderziehung, und wie muß erzogen werden?Darüber muß Klarheit herrschen; denn in unfern Tagen ist man un-eins über die Gegenstände. Man ist verschiedener Meinung darüber,was die Jugend zu lernen habe, sei nun Tugend oder das beste Lebender Zweck des Lebens. Ebensowenig ist klar, ob die Erziehung vor-zugsweise auf die Bildung des Verstandes oder auf das Sittliche devSeele hinzuwirken habe.

4. Die gegenwärtig übliche Erziehungsweise trägt viel dazubei, die Lösung der Frage zu erschweren. Man weiß durchaus nicht,ob man die Kinder in dem unterrichten soll, was sie für das praktischeLeben brauchen oder in dem, was sie zur Tugend hinleitet, oder end-lich, ob man sie darüber hinaus auch in den höheren spekulativenWissenschaften unterrichten lassen soll.-Jede dieser Ansichten hat ihreVerteidiger gefunden. Ebenso herrscht über die Objekte, die zur Tugendführen, keine Übereinstimmung, weil von vorn herein nicht jeder inder Tugend dieselbe. Eigenschaft verehrt, so daß natürlich auch überdasjenige, was zu ihrer Vorübung dienen soll, die Meinungen ver-schieden sein müssen.

2. Diese ganz moderne Vorstellung von der staatlichen Ablösung desIndividuums zur Eigengehöriakeit hatte also schon zu Aristo'teles' Zeit imhellenischen Leben sich aufzuthun begonnen.