Siebentes Buch Vierzehntes Kapitel. 425
ein Naturgesetz, dem auch das Menschengeschlecht unterworfen seinmuß. Der Beweis dafür ist, daß in allen Städten, wo es Sitte istdie Kinder sehr jung zusammenzugeben, eine schwächliche und kleineRasse angetroffen wird. Endlich werden den jungen Müttern dieGeburten schwerer, und geht ihrer eine größere Anzahl dabei zuGrunde. Auf diesen Umstand wollen einige auch den den Tröze'nierngewordenen Orakelspruch beziehen, der auf die vielen aus zu früherVerheiratung vorgekommenen Unglücksfälle gehe und nicht von derEinsammlung der Früchte zu verstehen sei? 5. Auch für die Züchtig-keit ist es vorteilhaft, wenn man die Mädchen erst im reiferen Alterheiraten läßt. Denn ein zu früher Liebesgenuß verstärkt bei ihnendie Triebe übermäßig, ebenso wie es ausgemacht ist, daß geschlechtlicherUmgang bei Männern, wenn der Körper noch im Wachsen begriffenist, das Wachstum hindert. Denn auch das hat seine bestimmte Zeit,und über diese hinaus findet kein Wachstum mehr statt.
6. Man verheiratet deshalb angemessen die Mädchen etwamit achtzehn Jahren, die jungen Männer mit siebenunddreißig oderetwas mehr oder weniger. Bei diesem Lebensalter werden dieKörper bei der ehelichen Verbindung in voller Kraft und Blüte stehen,und bei beiden Gatten wird die Zeit, wo ihnen die Natur ein weiteresHervorbringen von Kindern versagt, richtig Zusammentreffen. Auchwird dann der Zeitpunkt, in welchem die Kinder die Eltern ablösen,richtig getroffen, indem die Kinder dann in die Zeit der Blüte ein-treten (vorausgesetzt, daß die Ehe sogleich nach der gewöhnlichenRechnung eine fruchtbare war), während bei den Eltern das schonschwindende Lebensalter sich den siebzig zuneigt. — 7. Dies wärenun also, was wir von der Zeit der Eheschließung zu sagen hätten.Hinsichtlich der passenden Jahreszeit folge man der auch jetzt nochbewährten allgemeinen Sitte, welche bestimmt, zur Winterszeit dasBeilager zu veranstalten. Auch müssen die Vermählten selbst beider Kindererzeugung die Aussprüche der Ärzte und Physiker in Er-
I. Ausführlich ist der Gegenstand in der Tiergeschichte zu Anfangdes siebenten Buches entwickelt. Eine Pariser Handschrift hat einen Teildes nicht näher bekannten Orakelspruches erhalten. Er lautete: „Du sollstkeine Furche in zu jungem Boden ziehen!"