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4 (1895) Politik
Entstehung
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423
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Siebentes Buch. Dreizehntes Kapitel.

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Natur am Menschen gethan haben muß, ist früher bestimmt worden.Es bleibt daher nur noch zu untersuchen, ob die Erziehung mit derVernunft oder mit der Gewohnheit zu beginnen hat. Denn diesedrei Bedingungen müssen in der allerschönsten Harmonie mitein-ander stehen, weil es sehr möglich ist, daß die ausschließliche Ent-wickelung der Vernunft den besten Zweck verfehlt und daß ebensoeine bloße Bildung der Sitte auf Irrwege führt.

22. Nun ist doch zunächst soviel klar, daß, wie überall, dieEntstehung von einem Anfang anhebt und daß der Zweck dieserEntstehung wieder der Anfang eines andern Zweckes ist. Für unsMenschen aber ist die Vernunft und der Verstand der Zweck, zu demunsere Natur hinstrebt und für den sie angelegt ist. Wir haben mit-hin das Werden des Menschen und die Bildung seiner Sitten diesemseinem Ziele, das in Vernunft und Verstand besteht, gemäß einzu-richten. 23. Ferner wie Seele und Leib zwei verschiedene Wesensind, so sehen wir auch in der Seele ein zweiteiliges Wesen, desseneiner Teil die Vernunft nicht hat, während der andere vernunftbegabtist, und wobei der eine in der Eigenschaft der Sinnlichkeit, der anderein der des Verstandes erscheint. Wie nun der Leib eher entsteht alsdie Seele, ebenso geht auch die Bildung des vernunftlosen Teiles inihr der Bildung des vernunftbegabten voraus. Dies unterliegt keinemZweifel. Leidenschaft und Wollen, ja auch Begehrungsvermögenfindet sich schon bei Kindern selbst gleich nach der Geburt, währendNachdenken und Verstand sich naturgemäß erst bei fortschreitendemAlter in ihnen entwickeln. Deshalb hat sich die Erziehung zuerstauf den Körper und dann auf die Seele zu richten. Hierauf mußdie Sinnlichkeit geregelt werden, wobei man in der Erziehungund Regelung der Sinnlichkeit als Zweck die Ausbildung des Ver-standes im Auge behält und die Erziehung und Bildung desLeibes im Interesse der Seele unternimmt.