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Aristoteles, Politik.
welche man für die glücklichsten hält, und welche alles das, was manzur Glückseligkeit rechnet, genießen, gar sehr der Gerechtigkeit und derweisen Mäßigung, z. B. auch solche Leute, die nach der Aussage derDichter, wenn es wahr ist", auf den Inseln der Seligen leben. Siewerden der Philosophie, weiser Mäßigung und Gerechtigkeit ganz be-sonders bedürfen, jemehr sie in der Fülle solcher Güter mühelos da-hinleben. Es dürfte daher auch wohl einleuchten, daß auch der Staatdieser Tugenden zu seinem Glück und seiner Tüchtigkeit nicht wirdentbehren können. Ist es schon unwürdig, wenn man von seinemGlücke nicht den richtigen Gebrauch zu machen versteht, so ist einsolcher Mangel zur Zeit der Muße noch viel unwürdiger, und es isteine Roheit, sich bloß in der Unruhe des geschäftlichen Lebens undim Kriege als tüchtig zu zeigen, in Frieden und Ruhe dagegen wieein Sklave zu erscheinen.
20. Man darf daher die Übung der Tugend nicht so auffassen,wie der Staat der Lakedämonier. Zwar hat dieser Staat unter denhöchsten Gütern keine anderen verstanden, als die alle Welt dafürhält, aber er hat gemeint, sich durch eine spezielle Tugend in denBesitz derselben setzen zu können. Da es aber höhere Güter gibt,als diejenigen, welche der Krieg gewähren kann, so steht auch derGenuß der ersten höher, als der Genuß der aus der kriegerischenTugend erwachsenden Güter, was hiernach wohl deutlich ist.
21. Wie aber und wodurch gelangt man dazu? Dies wäre nunzu betrachten. Wir haben schon vorhin^drei wesentlicheBedingungendazu auseinandergesetzt, Natur, Gewöhnung, Vernunft. Was die
11. In der leichten Ironie dieses Scherzes tritt der Philosoph amernstlichsten der Ansicht entgegen, als ob das Glück nur in dein äußerlichenGenüsse bestehe, einer Ansicht, die zu allen Zeiten in dem gemeinenBewußtsein Platz genommen hat. Er macht es auf das nachdrücklichstegeltend, daß der Muße und dem Lebensgenüsse die innereBildung des Herzens voranzugehen hat. Ohne Gerechtigkeit undweises Maß sich sittlich erworben zu haben, kann niemand es wagen, selbstim „Paradiese" einen bleibenden Aufenthalt zu nehmen. Mußte doch selbstGoethe es aussprechen:
„Alles in der Welt läßt sich ertragen,
Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen."
12. S. Kap. IS.