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4 (1895) Politik
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Aristoteles, Politik.

3. Unzweifelhaft müssen die Herrschenden vor den Beherrschteneinige Vorzüge haben. In welchen Einrichtungen diese ins Lebentreten und in welcher Weise die Beteiligung an der Staatsgewaltstattsindet, dies anzuordnen ist Sache des Gesetzgebers. Es wardavon schon früher die Rede? Die Natur hat nämlich selbst dieEntscheidung getroffen. Sie verlieh dem Wesen einer und derselbenGattung zwei Lebensepochen, das der Jugend und das des Alters,und ordnete für die Jugend das Beherrschtwerden, für das Alter dasHerrschen als schicklich an. Niemand nimmt ein Ärgernis daran,wenn er sich nun, wie es sein Alter mit sich bringt, beherrscht sieht,zumal da er die Aussicht hat, nach dem Eintritt in das dazu gehörigeAlter auch seinerseits denselben Ehrenvorzug zu erlangen. 4. Esliegt also die Sache so, daß man behaupten kann, daß in einerHinsicht immer dieselben herrschen und beherrscht werden, in anderer,daß es nicht dieselben sind; und hieraus folgt, daß auch die Erziehungin gewissem Sinne gleich, in einem andern eine verschiedene ist. Wergut befehlen soll, muß, wie es im Sprichwort heißtzuvor gehorchengelernt haben. Nun regiert der Herrschende, wie in den ersten Unter-suchungen gesagt ward entweder in seinem Interesse oder in demder Beherrschten. Jenes war die Herrschaft des Despoten, dieses dieHerrschaft über freie Männer.

5. In manchen Dingen, die befohlen werden, ist es nun nichtso sehr die Natur der gebotenen Verrichtung, als der Zweck und dasMotiv des Befehls, das den Unterschied macht. So sind mancheVerrichtungen, die für einen Diener zu gehören scheinen, auch fürfreigeborne Jünglinge auszuführen anständig; denn in bezug aufanständig und nicht anständig kommt es nicht so sehr auf die Hand-lungen an und für sich selbst, als auf den Zweck, auf das umwessentwillen an. Da wir nun den Satz aufgestellt Habens daß

3. Vergl. Kap. 8 dieses Buches.

4. Aristoteles nimmt gern und häufig Bezug auf die Vclksweisheir,die sich im Sprichwort kundgibt, und es läßt sich aus seinen Schrifteneine sehr reiche Sammlung griechischer Sprichwörter ziehen.

5. Vergl. 1. 2 und III. 4.

6. Vergl. III. S