Siebentes Buch. Zehntes Kapitel. 407
3. Nach der nötigen Sorge für die Gesundheit der Bewohner,welche wesentlich von der diesem Zweck entsprechenden Lage derÖrtlichkeit abhängt, ist der Gebrauch guten und gesunden Wassersein zweiter Punkt, der eigens eine ernste Aufmerksamkeit verdient.Denn die Dinge, die wir in größter Menge und regelmäßig fürunsere Körper brauchen, üben auch den größten Einfluß auf unsereGesundheit, und von der Art eben ist die Wirkung des Wassers undder Luft. Daher muß in Städten, die bedachtsam verfahren, wennnicht alles fließende Wasser gleich gut oder nicht in Fülle vorhandenist, das Trinkwasser geschieden werden von dem zu anderweitigemGebrauche bestimmten?
4. Was die befestigten Plätze anlangt, so ist die Einerleiheitihrer Anlage bei allen Staatsformen nicht in gleichem Interesse.Eine Hochstadt ^ z. B. paßt für einen oligarchische» und monarchischenStaat, die Demokratie zieht eine gleichmäßigeBefestigung des Ganzenvor, für die Aristokratie paßt keines von beiden, sondern eher mehrerefeste Plätze. Zn der Anlage von Privathäusern gilt es für geschmack-voller und in betreff des Verkehrs überhaupt für zweckmäßiger, durchgute Passagen und Durchschnitte eine lebhafte Verbindung derStraßen herzustellen, nach Art der neueren und der Hippodamischen^Bauart. Für die Sicherheit in Kriegsfällen wird dagegen die entgegen-gesetzte empfohlen, in der in alter Zeit die Städte gebaut waren. Siebewirkt, daß fremde Truppen sich schwer herausfinden und der Feind beieinem Überfalle sich in demHäuserwirrwarr nicht zurecht finden kann?
3. Auch in dieser Beziehung stehen wir Modernen noch hinter denAlten fast als Barbaren zurück.
4. Akro'polis; „hochgelegene" Stadtburg, wie sie Athen u. a. hellenischeStädte besaßen.
5. Hippo'damos aus Mile't ward im zweiten Buch als der Baumeistererwähnt, der den Pirä'eus regelmäßig angelegt habe. Der Markt hieß demMeister zu Ehren dort der Hippvdamische.
6. Ein Beispiel hiervon erzählt Thuky'dides II, 3. Vor dem An-fänge des Peloponnesischen Krieges überfielen die Thebaner in der Nachtdie Stadt Platää und besetzten den Markt. Da durchbrachen die Platäerdie Zwischenwände ihrer Häuser und verbarrikadierten die Straßenausgange.Zn der Morgendämmerung kam es zum Straßcnkampf; die Thebanernahmen wohl einige Barrikaden, mußten aber dennoch auf Flucht denken