Siebentes Buch. Fünftes Kapitel.
391
Fünftes Kapitel.
Ähnlich verhält es sich nun auch mit dem Landgebiete. Wasdie allgemeine Beschaffenheit desselben anlangt, so wird ein jederdasjenige für gut finden, welches dem Staate die vollkommensteSelbständigkeit in der Befriedigung seiner Bedürfnisse gewährt. Zndieser Eigenschaft muß es alles produzieren; denn die Selbständigkeitist eben dies, daß alles vorhanden sei und nichts fehle. Näher mußdie Fruchtbarkeit und Ausdehnung des Gebietes seinen Bewohnerndas Leben einer freien, durch Mäßigkeit geregelten Muße gewährenkönnen. Ob nun diese Bestimmung richtig getroffen ist, wird einespäter des genaueren anzustellende Untersuchung lehren, in deren Ver-lauf über den Besitz überhaupt, sowie über den Vermögensreichtumgehandelt und dabei ermittelt werden wird, wie und auf welche Weisesich derselbe zum Gebrauch selbst zu verhalten habe* — eine Unter-suchung, die reich an strittigen Punkten ist, weil die Menschen ihrLeben nach der einen oder der andern Seite ins Extrem hineinziehen,und entweder in Knickerei oder Verschwendung verfallen.
2. Die Gestalt des Landgebietes ist nicht schwer anzugeben.Man hat hier in einigen Stücken auch auf den Rat sachverständigerStrategen zu achten, wonach es den Feinden den Einfall schwer, denBewohnern den Ausgang leicht machen müsse? Ferner darf dieschon bei der Bewohneranzahl erforderte Eigenschaft der Übersichtlich-keit auch dem Landgebiete nicht fehlen, und Übersichtlichkeit heißt hierso viel als leichte Verteidigungsfähigkeit. Will man überhaupt dieStadt so legen, wie man es nur immer wünschen kann, so muß sienach der See und nach dem Lande hin gleich wohl gelegen sein, wohl
1. Aristoteles verweist hier auf die Schrift Ökono'mikus, d. h. aufseine Hauswirtschaftslehre, von der wir ein Bruchstück besitzen. DaS ersteBuch ist unzweifelhaft, wenn nicht von ihm, doch aus seinem Werke auS-gezogen.
2. Man denken B. an Napoleons 111. GrenzregnlierungSpolitik gegenPiemont und ihre Motive.