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Aristoteles, Politik.
die Sklaven, so sind dergleichen Thaten unmöglich. Wer daher gleichzu Anfang den Weg des Guten verließ, der kann durch all seinspäteres Thun das Unheil aus der früheren Übertretung nicht wiedergut machen? Er entzog seinesgleichen den ihnen so gut als ihm ge-bührenden Anteil an schönen und gerechten Handlungen und zerstörtedas die Gleichheit und Parität ausmachende Verhältnis der Gegen-seitigkeit, er trat zu seinesgleichen in das Verhältnis der Ungleichheitund stellte sich Wesen, die ihm ähnlich sind, als ein Unähnliches widerdie Natur gegenüber; nichts aber, was wider die Natur ist, istschön? Aber freilich wenn ein Mann auftritt, der an Tugend undThatkraft den Besten überlegen ist, dann ist es etwas Schönes, einemsolchen sich unterzuordnen, und recht, ihm zu gehorchen. Nur muß
5. Nach diesem Satze und seiner Ausführung wäre über die cid- undwortbrüchigen Usurpatoren und Staatsretter in der Geschichte auch dann,wenn es ihnen gelungen, durch wohlthätige Anwendung der unrechtmäßigund verbrecherisch an sich gerissenen Gewalt den Ursprung derselben beivielen vergessen zu machen, der Stab gebrochen. Doch wird das Urteil hierwesentlich verschieden ausfallen, je nachdem die Denkweise einer Zeit mehrrepublikanisch oder mehr monarchisch ist. Der gleich folgende Satz undähnliche in anderen Stellen dieses Werkes verraten den geräuschlosen Eintrittdes Gedankens der Monarchie in die Geschichte, wenngleich der Monarchnach griechischer Auffassung vorerst noch immer ein persönlich aus-gezeichneter Mensch sein muß.
8. Im Original stehen hier die Sätze in abstrakter Allgemeinheit neben-einander. und wollte man sie, was sehr leicht ist. wörtlich wiedergeben, sowürden sie unverständlich sein. Dies freilich nicht an sich, wohl aber alsBeweismittel des Satzes, um welchen es dem Philosophen zu thun ist, daßderjenige, der, um Gelegenheit zu den meisten edlen Thaten zu haben, sichrücksichtslos der Herrschaft über andere bemächtigt, eben wegen diesesräuberischen und gewaltsamen Thuns der Natur der, Sache uach nie zuseinem Ziele gelangen könne. Die von uns gegebene Übersetzung trifft denwahren Sinn des Aristotelischen Gedankens besser, als eine Übersetzung vonWort zu Wort. Hier, wie an vielen Stellen, muß bei Aristoteles dieÜbersetzung mit auslegen helfen, und es muß sogar das, was die abstraktallgemeinen Sätze im Wege anregender Ausführung erweitert in sich ent-halten, in den Text genommen werden. Der Mangel „methodischer Dar-stellung". ein Vorwurf, der den Alten überhaupt und dem Aristotelesinsbesondere gemacht wird, setzte scharf denkende Leser und Hörer vorausund ist, da er uns den richtigen Gedanken mit Mühe finden läßt, füruns eine Quelle bedeutender Anregung. Man muß den Mut haben, insolchen Fällen, wie der vorliegende, die originale Form ganz fallenzu lassen.