Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
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im Handeln, wozu kommt, daß die Thaten gerechter und weiserMenschen eine Fülle des Guten und Schönen als ihr Ziel enthalten?
3. Nach diesen Bestimmungen aber könnte man nun vielleichtmeinen, Herr über alle zu sein sei das beste, weil man in dieserStellung auch Herr zu den meisten und schönsten Handlungen werde,so daß also jemand, der die Herrschaft zu führen vermöge, diese nichtseinem Nachbar zu überlassen, sondern sie ihm eher vorwegzunehmenhabe, wobei weder der Vater auf die Kinder, noch diese auf jenen, nochirgend ein Freund gegen den Freund die mindeste Rücksicht und Bezug-nahme walten lassen dürfe. Denn das Beste muß ja jeder vor allenDingen erstreben, dieses Beste aber ist eben eine schöne Wirksamkeit.
4. Wer so meint, hätte vielleicht recht, wenn es in der Naturder Dinge läge, daß dem Nenschen durch Raub und Gewaltthat derhöchste Preis des Lebens zufallen könnte? Aber das ist unmöglich;und in dieser Voraussetzung liegt der Irrtum. Um große und edleThaten zu thun, muß man eine geistige und sittliche Überlegenheitüber seinesgleichen haben, und ist diese nicht so bedeutend wie die desMannes über das Weib, des Vaters über die Kinder, des Herrn über
3. Das heißt: die Einzelhandlungen des gerechten Menschen sind außerauf das Erreichen der besonderen Zwecke auch noch darauf gerichtet, dasGute und Schöne überhaupt zu verwirklichen. Die Kraft, ein solches Zielzu erreichen, liegt in ihrer eigenen Natur, ohne daß es dazu immer desWillens und der Absicht des Handelnden bedarf. Goethe:
„Ein geistreich aufgeschlossnes WortWirkt für die Ewigkeit!"
4. Die erhabene Welttragödie des Shakespeare'schen „Macbeth" ist eineAusführung dieses Satzes. Auch verfällt der Held dieser Tragödie des Ver-brechens keineswegs in den von Aristo'teles* bezeichnet«: Irrtum. Als sichdie Versucherinnen ihm genaht haben, als ihn in den noch guten Stundendie Lust zur Gewaltthat überkommt, glaubt er den Ausweg in dem gefundenzu haben, was er wie tröstend zu sich selbst spricht: „Wenn mich der Zu-fall zum König haben will, nun, so mag mich auch der Zufall krönen."Es ist sehr bezeichnend für das erweiterte moderne Bewußtsein, daß dergroße Dichter seinen Helden nicht aus einem solchen, von Aristo'teles alsIrrtum bezeichneten Motive heraus wirken läßt. Es ist in der ganzenTragödie keine Spur davon zu entdecken, obschon ein König wie Duncanwohl dazu verleiten konnte.
* Der Laut, hinter dem das Zeichen ' steht, hat den Ton: Deutschland Lieber a'lleS.91 sLaiigrnschridlsche B. gr. u. röm.Al.; Bd. 23 ;Lsrg. 17.^ Aristoteles' Politik. 2 5